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Gracioso
[ Gracioso ]

·Flusskreuzfahrt: Mit der MS Gracioso auf der Donau

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Cool nach Colombia zur Costa Banana
Geschrieben am Saturday, 07.April. @ 07:05:00 CEST von redaktion

Frachterreisen

Mit MS „Hansa Lübeck“ und krummen Sachen über den großen Teich - Welcher Frachterreisenfan hat nicht schon mal von einer Reise auf einem „Bananenjäger“ -  in der Seemannssprache auch kurz „Banane“ genannt – geträumt?! Auf ihrer Wunschliste rangiert so ein Törn nach Mittel- und Südamerika ganz obenan.
Zur kleinen Flotte deutscher Kühlschiffe zählen auch die vier 12.000-Tonnen-Spezialfrachter der Hamburger Reederei Leonhard & Blumberg. Damit kann man sich seinen Traum erfüllen.
Antwerpen im Januar: Ein steifer Westwind bläst böig über den abendlichen Hafen. Ungemütlich und völlig unromantisch. Der Fahrer des Reedereiagenten, der mich vom Bahnhof abgeholt hat, kurvt durch weiße Blechkisten-Gebirge. Kühlcontainer. Dann ein mächtiger Steven. „HANSA LÜBECK“ steht in blauen Lettern auf hellbeigem Grund. Wir sind am Ziel: 12.000 Tonnen groß und 156 Meter lang – mein Domizil für die nächsten vier, vielleicht sogar fünf Wochen.



Empfang: mal so, mal so
Eigentlich sollte der Frachter schon längst auslaufbereit sein, doch es wird immer noch emsig  geladen und gelöscht.
Ein philippinischer Matrose nimmt mir auf Weisung des russischen Chief mates meinen Rucksack ab. Der Kapitänsempfang ein paar Decks höher fällt „cool“ aus. Ich stehe in der Tür und reiche ihm meine Papiere – Pass und Reederei-Beförderungsvertrag – herüber. „Guten Abend und herzlich willkommen an Bord!“ - Fehlanzeige. „Noch was?“, fragt Master Dieter Rothe statt dessen, der mit dem Agenten über Papierstapeln brütet, kurz angebunden. Ich wage noch eine Frage: nach der Auslaufzeit. Der Mann mit den vier Streifen auf seinen Pullover-Achselklappen reagiert nur schulterzuckend. Ich bin entlassen. Bis zum Abendessen ist noch etwas Zeit und ich schaue mich erst mal in meiner Kabine um: geräumig, zwei Kojen, ein Tisch, eine Couch, der Schreibtisch mit Unterhaltungselektronik vollgestopft, ein Bad. Die beiden Fenster sind nach achtern gerichtet, unverbaubar durch Container. Decksscheinwerfer strahlen grell-gelb herein.
„Good evening, Sir, how are you?“, empfangen mich Smutje, auch „Cookie“ genannt, und Steward strahlend in der Messe. Die Ecke der leitenden Offiziere ist eingerahmt von deckenhohen Grünpflanzen. Ich halte es vorsichtshalber mit einem Nebentisch. „Sie sitzen auf dem falschen Platz“, spricht mich ein freundlicher Vollbärtiger wohlmeinend an – wie sich herausstellt Chief Lutz Sprenger aus Bremen- , „für Sie ist bei uns eingedeckt“. Wie schön! Kurze Vorstellung und dann erst mal abwartendes Schweigen, bis ein vorsichtiges Abtasten beginnt: Wo ich herkomme, wie die Anreise war, wie lange ich an Bord bleibe. Der zweite Bartträger ist der Kühltechniker Bernd Ruschel, ein waschechter Berliner. Reden und Lachen sind Seins. Ein weiterer Lichtblick. Meine Stimmung, die nach der Kapitänsbegegnung etwas depremiert gewesen ist, verbessert sich zunehmend. Schließlich müssen wir eine ganze Weile miteinander auskommen, ohne dass man ausweichen oder aussteigen könnte.
Das nächtliche Auslaufen durch eine Seeschleuse und die Schelde abwärts erlebe ich im Tiefschlaf.

Nordsee-Einblicke
07.30. Neben meiner Koje schrillt das Telefon. „Sir, breakfast is prepared!“, höre ich vom anderen Ende der Leitung. Der Steward meint´s gut mit mir, doch ich verzichte.
Trotz Halbschlaf muss noch ein erster Blick nach draußen sein: grün-graue ruppige See, Wolken im Tiefflug, Regen – typisches Kanalwetter im Winter. Da drehe ich mich lieber in der Koje noch mal um.
Später, querab der englischen Südküste, klingelt noch einige Male das Handy. Von Udo Wölms, Chief mate des Containerfrachters „MSC Geneva“, meinem nächsten Schiff, erfahre ich, dass es gerade in die Schelde einläuft: „Wir verfolgen Euch“, lacht mein Stralsunder Nachbar, „denn mal Tschüß, gute Reise und bis demnächst!“ Er dampft mit seinem 275 Meter langen 63.000-Tonner und rund viertausend mit allem Möglichen vollgestopften Blechkisten nach Südafrika. Wir dampfen nach Süd- und Mittelamerika mit einer bunten Ladung aus Papier, Reifen, Chemikalien, Maschinenteilen, Milchpulver, Bier und Gemüse in den Laderäumen und viel weniger Containern an Deck. Passende Lektüre: „Nordsee-Blicke“ von Weltumsegler Wilfried Erdmann. Im Kapitel „Die Straße von Dover“ schreibt er: „Ein Seegebiet, das man meistens schnell verlässt“. So auch wir mit 22 Knoten.
Draußen ist (noch) „Schiffegucken“ per Fernglas angesagt. Der Bananenjäger „Hansa Lübeck“, schnell, schlank und rank, lässt denn auch ganze Pulks hinter sich. Früher, Ende der Sechziger, als ich Leichtmatrose auf so einem weißen Frachter war, hießen sie nur die „Windhunde der Meere“.

Bier lernt Fliegen
Schon gegen Abend sind wir allein auf weiter See. Kurs immer nur Südwest in die Wärme unserer tropisch-grünen Fracht entgegen. Noch ist es lange nicht soweit. Bis zum ersten Hafen Rio Haina in der Dominikanischen Republik liegen rund 4200 lange Atlantik-Seemeilen vor uns.
Ein schräg von achtern blasender feindlicher Westwind in Sturmstärke schüttelt uns kräftig durch und bringt die Container und ihre Laschstangen zum Schwingen. Eine Kakophonie aus Knarzen, Sirren, Brummen und Grollen. Der nicht voll beladene Frachter rollt heftig hin und her. Da muss alles in der Kammer festgezurrt sein und sicher stehen. Nicht nur man selber sollte standfest sein, auch das Bier. Das gibt der Kapitän abends gegen einen vorher geschriebenen Bestellzettel nur widerwillig heraus: „Muss das schon sein?!“ Anscheinend ist er noch müde von den stressigen Hafentagen.
Bernd Ruschel hat nach seiner Tagesschicht Zeit. Von ihm erfahre ich nicht nur Persönliches, sondern bekomme auch so manchen Landgangstipp. Oder dass unsere Reise eine Woche länger dauert als geplant. Es geht nicht wieder nach Antwerpen zurück, sondern wegen geänderter Charter nach Hamburg. Hat mir niemand vorher gesagt, aber sei´s drum, da muss ich nicht so weit nach Hause an den Strelasund fahren.
Nachts wird die Uhr eine Stunde zurückgestellt. Das wiederum heißt eine Stunde länger schlafen – nicht so einfach bei der verdammten Schaukelei. Die erste Flasche Bier fliegt samt Inhalt in hohem Boden auf den Teppichboden.

Liebeskummer und Heimweh
Graue Wolken fetzen im Tiefflug über die Wellenberge. Sturm aus West mit 30 Metern pro Sekunde beutelt die „Hansa Lübeck“. Gischtkaskaden explodieren am Steven und steigen haushoch über die nickende Back. Irgendwann bricht sich die Sonne Bahn. Ständig wechselnde See- und Himmelsstimmungen. In der Brückennock wird man vom Salz überkrustet. 3. Offizier Fernando Pimentel hat Acht-Zwölf-Wache. „Wir Philippinos fahren alle zur See“, sagt der junge Mann, „weil wir es müssen – um unsere Familien zu unterhalten“. Neun bis zwölf Monate halten sie an Bord aus, im Gegensatz zu ihren deutschen Kollegen, die meistens nur vier Monate am Stück fahren. Fernandos Frau hat im Oktober einen Jungen geboren, „aber gesehen habe ich ihn noch nicht“, bedauert er. „Ist es hier nicht langweilig für Dich?“, fragt er, weil er sich nicht vorstellen kann, dass Seefahrt mir Freude macht. So mancher Seefahrts-Sommerferien-Praktikant, weiß er, hat denn auch nach sechs Wochen Kurzfahrtzeit genervt abgewunken: Seefahrt – nein, danke! Ihre jugendlichen Motive: Heimweh, Liebeskummer, zu lange weg von zu Hause und Seekrankheit.
In der Messe ein Merkblatt: Man soll jetzt anfangen, Pillen zu schlucken – nicht etwa gegen Seekrankheit (im Falle eines Falles hilft nach meiner Erfahrung am Besten Cinnarizin 25 oder Peremesin N), sondern als Malaria-Prophylaxe. Auf einem Papier muss ich unterschreiben, dass ich pro Woche auch brav zwei nehme. „Kannst du vergessen“, winkt 2. Ingenieur Andrej Shapovalov ab, „die nützen sowieso nichts“. Allerdings: Die Häfen, die wir anlaufen sollen, sind noch nicht gänzlich frei von dieser Seuche.

Brand in der Proviantlast
Statt eines Mittagsschläfchens verkeile ich mich in der Koje und lese. Bis die Alarmsirene aufheult: Generalalarm, sieben kurze, ein langer Ton! Ich schnappe mir die Rettungsweste und melde mich auf der Brücke beim Kapitän. So will es das Reglement für Passagiere auf der „Hansa Lübeck“. Da stehe ich dann herum und lausche den UKW-Anweisungen von Dieter Rothe. Die Crew indes sammelt sich mit Sicherheitshelmen, Westen und in Overalls um den Zweiten Alfredo Pineda am Freifall-Rettungsboot achtern. Er erklärt alle Abläufe, bis der Kapitän einen Brandherd in der Proviantlast meldet. Nur zur Übung natürlich. Der Feuerstoßtrupp rennt nach unten, um Feuerbekämpfungs- und Atemschutzgerät aufzunehmen, Schutzanzüge anzulegen und die Schläuche auszurollen.
Gut eine halbe Stunde nach der Coffee time ist alles vorbei. Bootsmann Amilutoh Mohammadsaid, einziger Moslem an Bord, sammelt seine Schäfchen wieder zur Arbeit. Mit Wasserstrahl, Schrubbern und Eimern rücken sie dem Hafenschmutz zu Leibe. Allem umwerfendem Rollen und Stampfen wie zum Trotz. „Der Dreck muss weg!“, lächelt der kleine, bescheidene Mann. Aber dann ist Feierabend für die Männer. Nach dem Abendessen, oft Reis mit Hühnerfleisch oder umgekehrt, versammeln sie sich in der Crew-Messe beim Bier, um Musikvideos anzuschauen. Voll aufgedreht natürlich.

Als wennste schwebst
Auch nachts wird es plötzlich laut. Als ob ein Riese mit Hammerschlägen gegen die Bordwand wummert. „Hansa Lübeck“ steigt und fällt und zittert beängstigend. Der Sturm hat zugenommen: auf über 40 Meter pro Sekunde, wir mir der Dritte am nächsten Morgen berichtet. Satte zehn Beaufort. Die See wirft Kämme von zwölf Metern Höhe und mehr auf. Man kann sich kaum noch auf den Beinen halten und sucht überall Halt, nach dem alten Motto: Eine Hand für dich, eine fürs Schiff. Wand- und Deckenverkleidungen knarzen wie Segelschiffstauwerk unter der Belastung. Selbst im Treppenhaus ist das stürmische Orgel- und Pfeifkonzert zu hören. Da bleibt nur eins: Koje und lesen.
Wenn der Steven in ein Wellental taucht, hebt die See die beiden Vier-Tonnen-Anker und lässt sie donnernd gegen die Bordwand krachen, mit schaurigem Widerhall aus der Vorpiek. Es scheint, als ob der Nordatlantik atmet. „Als wennste schwebst“, berlinert Bernd Ruschel grinsend. Auf der Back kann man sich wie die Turmbesatzung im Film „Das Boot“ fühlen. Mit dem Unterschied, dass das hier live spielt.
Kapitän Rothe wählt schließlich einen südlicheren Kurs. Er will das Tiefdruckgebiet umfahren. Weiter „unten“ liegt ein Azoren-Hoch mit besserem Wetter. Vielleicht bringt dieser Sonntag, an dem die Küche uns mit Steak und Kaviar verwöhnt hat, ja eine Wetterwende. Die kulinarischen Aussichten jedenfalls sind sonnig. „Ab morgen wird abgenommen“, grinst Chief Lutz Sprenger und packt sich noch Lachs, Kaviar und Brot auf seinen Teller. Dazu einen Berg frisch gehackten Knoblauch mit Olivenöl und Chilischoten. „Für die Nacht“, rechtfertigt er sich und nimmt alles mit auf seine Kammer. In der Tür stehend ergänzt der Hobby-Historiker: „Knoblauch war schon immer eine gute Medizin. Den essen wir hier alle und alle riechen daher nichts“.

An der Wetterfront
Endlich: etwas ruhigere See und Sonne! „Hansa Lübeck“ steckt mitten im Azoren-Hoch. Unter dicken Abendwolken kommt die Insel Sao Miguel in Sicht. Erinnerungen an „Dinner for one“ werden wach, als James dem „Tischpartner“ von Miss Sophie, Sao Miguel, zuprostet.
Chance für eine telefonische Meldung bei meiner Frau. „Ihr müsst ja ganz schön durchgeschüttelt worden sein“, höre ich sie vom fernen Strelasund, „nach den Wetterkarten zu urteilen“. Ich kann sie nur bestätigen und ein paar knappe, weil teure Schilderungen „von der Front“ anhängen.
In drei Meilen Abstand passieren wir den schwarz-grünen vulkanischen Bergklotz mit seinen weißen Wohnwürfeln auf der schroff abweisenden Steilküste. Schnell noch ein paar Walking-Runden durch Containerstapel ums Hauptdeck über meinen Lieblingsplatz, die Back. Mit unverstelltem Fernblick und Ruhe ohne Maschinengewummer. Fast wie auf einem Segler.
Bald sind wir außer Reichweite des Funkmastes und wieder allein auf weiter bewegter Seeflur.
Wie bestellt, stechen Sonnenstrahlen durch schwarze Wolkenhaufen. Dunkle Melancholie weicht brillantem Licht. Ein Wetter, bei dem die See alle paar Minuten ein anderes Licht zaubert. Oder Farben: grün, grau, schwarz, weiß, dunkelblau, türkis bis silbern. Auf 35 Grad Süd klettert die Quecksilbersäule schon bis zur 20-Grad-Marke. Nach dem trüben deutschen Winter, der so recht keiner war, kann es nur besser werden…Zumindest der Kombüsen-Blick in die Töpfe von Smutje Sulpicio Pena, der für besondere Wünsche immer offen ist, verheißt kulinarische Freuden. Selbst der traditionelle Samstags-Eintopf. Ab 11.30 Uhr ist schon wieder Futterzeit. Da kann das opulente Frühstück ruhig ausfallen. Ein Pott Tee oder Kaffee reicht. Tut der Figur gut.
Sulpicio und Steward Toni beneiden mich – um meine schlanke Nase. „Die lässt sich bei uns auf den Philippinen so mancher Mann auf europäisch trimmen“, lachen sie vor der Kombüsenluke, „um mehr Schlag bei den Frauen zu haben“.
Chief Officer Ishakov balanciert derweil seinen Teller zum Platz: Akrobat schön! „Tomorrow wheather will be better“, meint er grinsend, als meine Suppe einen Satz macht und die Gläser kippen. Die Tischdecke kann man vergessen. Auch die spielerischen Malefitz-Kämpfe, schon zum Feierabend-Ritual geworden, mit Bernd Ruschel finden ein abruptes Ende. Seegang wirft alle Figuren aus der Bahn und lässt sie im Bier ertrinken.

Seemannssonntag
Vorhang auf für pure Sonne! Tintenblauer Ozean mit Sahnehäubchen und eingestreutem Streußel – schokoladenbraune Tangfetzen. Außentemperatur schon 24 Grad. Von einem Tag auf den anderen. Jeans in den Schrank und Shorts ´raus, dem karibischen Sommer entgegen. Bernd Ruschel schaltet die Klimaanlage auf 20 Grad.
Wir segeln mit 20 Knoten vorm Wind. Ich suche mir ein lauschiges Plätzchen auf der Back. Fliegende Fische schnellen wie zur Begrüßung aus dem Wasser, als ihnen die massige Wulstbugnase zu nahe kommt. Jedes Mal bin ich gespannt, wie lange und wie weit die heringsartig aussehenden Segler knapp über der Oberfläche dahingleiten und abrupt wieder eintauchen. Ich schätze: bis zu zwanzig Sekunden und rund 300 Meter. Rekordverdächtig manche dieser Aussenborskameraden!
Nebenan hockt der immer lächelnde Bootsmann Mohammadsaid auf der Ankerwinsch und malt hingebungsvoll. Ein Klönschnack ist trotzdem drin.
Nach dem ersten Sonnenbad ein paar Runden ums Schiff gelaufen. Dabei begegne ich dem Zweiten Offizier Alfredo Pineda beim täglichen Sicherheitscheck. Sein Job. Kurze Frage: Schon mal stowaways, blinde Passagiere, gehabt? „Na, klar“, sagt er, „die scheuen auch nicht die niedrigen Temperaturen im Laderaum. Bananen dürfen nicht mehr als 13 Grad haben, damit sie nicht vorschnell reifen“. In südamerikanischen Ländern sei das Einschleichen ein genauso großes Problem wie Drogen.
Nach 20 Runden komme ich auf gut sechs Kilometer. Schweißgebadet, mit ölig-salzigen Händen von den Handläufern der Niedergänge. Bei Schwell gerät das Laufen zur Berg- und Talwanderung. „Nicht ganz ungefährlich“, warnt der Chief. Bewegung in frischer Seeluft schafft Appetit – aufs Steak zum Mittag. Donnerstag – Seemannssonntag: Der Speiseplan von Cookie Sulpicio Pena zählt die Genüsse auf: Frühstück: eggs to order, fresh bread rolls; lunch: soup, tenderloin steak, potatoe or rice, ice cream; coffe time: apple-cake (selbstverständlich frisch nach Omas-Hausrezept gebacken); dinner: baguette, rice, salad, assorted cold cuts. Das kann sich – nicht nur an diesem Tag – sehen lassen. Aber man kann auswählen und sich vor allem bewegen. Sonst schlägt die Waage zunehmend unbarmherziger aus. Die Offiziere kennen das umfangfördernde Phänomen und verhalten sich entsprechend. Sulpicio bietet mir an, auch mal die philippinische Mannschaftskost zu probieren. Überwiegend Reis, Hähnchen und Fisch – oder umgekehrt. Auf jeden Fall kaloriensparender als „gut bürgerlich“.

Atlantische Impressionen
Am Abend gleich zwei Termine: Sonnenuntergang und die Einladung eines philippinischen Matrosen zum Geburtstagsbier in die Crew-Messe.
Der Himmel glüht in allen Rotabstufungen. Von Westen treiben dunkle Wolken heran. Dramatisch! Bald leuchtet der Abendstern, genau voraus auf unserer Kurslinie. Ist jetzt Astro-Navigation auf der Brücke angesagt?  Weicher Wind fächelt die Haare. Die hell schäumende Bugsee ist mit grün leuchtenden Punkten gesprenkelt: phosphoreszierendes Plankton. Das vordere Topplicht irrlichtert unter dem hohen Sternenhimmel über dem dunklen, rollenden Frachter. Ein Satellit taumelt durch den Weltraum, Sternschnuppen regnen herab.
Momente, in denen man sich klein und allein vorkommt auf dieser nur 156 Meter langen Stahlinsel. Seit Tagen ist uns kein Schiff begegnet. Viel Zeit für Reflexionen über das Leben weit hinter dem Horizont und im Besonderen hier an Bord. 21 Mann hat es zusammengewürfelt, aus verschiedenen Nationen, Kulturen, und Motiven, mit unterschiedlichen Mentalitäten, politischen Meinungen und Religionen. Monatelang, in guten wie schlechten Zeiten. Doch es klappt immer wieder, das Zusammenleben und -arbeiten in diesem eng begrenzten schwimmenden Mikrokosmos. Tolerant und gewaltfrei, im Gegensatz zur übrigen Welt.
So schweifen meine Gedanken vom harten Pollersitz aus in die Unendlichkeit – und natürlich, wie bei allen Seeleuten, immer wieder nach Hause. Romantische Gefühlsduselei, Kitsch? Nein, blanke Realität.
Wie zur Bestätigung: In der Mannschafts-Messe hockt die wachfreie Crew beim Bier vor dem Fernseher. Ein Musikvideo dröhnt lautstark und erschwert die Unterhaltung. Macht auch nichts, Hauptsache, alle sind fröhlich. Selbst der sonst so schweigsame Kapitän Rothe taut ein paar Sätze lang auf, erzählt entspannt-lächelnd von Haus und Garten und seinem Landjob als freiwilliger Feuerwehrmann im sächsischen Heimatdorf in der Nähe von Dresden. Beim Essen hört man allenfalls das Besteckklappern von ihm. Chief Sprenger, Kühltechniker Ruschel und ich haben jedoch genügend zu bereden. Ob am Tisch, zwischendurch, beim Spiel, Weinabend auf dem Brückendeck oder vorm Fernseher. Kommunikation muss man wollen, der Alte anscheinend nicht. Eine „deformation professionelle“, bedingt durch zu lange (Selbst-)Isolation? Vielleicht ist er auch nur müde nach langer Fahrtzeit. Die Fragen bleiben unbeantwortet.
Der Abend klingt aus bei „Feuerzangenbowle“, allerdings nur im Film mit Heinz Rühmann: Erinnerungen, Träume, Sehnsüchte – wie zuvor auf der Back.

Durchs Tor der Karibik
Der Nord-Ost-Passat bläst uns nach neun Seetagen durch die berühmte Mona-Passage, das Nadelöhr zwischen Puerto Rico und der Dominikanischen Republik, in die Karibik.
Was auffällt, wenn man so wie ich Zeit hat, auf die See hinaus zu sehen: Kein einziger Delphin hat sich seit der Ausreise neben oder vor dem Frachter blicken lassen. Mir fällt die Beobachtung (nachzulesen in seinem Buch „Gespräche an der Reling“) von NDR-Moderator (u.a. „Gruß an Bord“ zu Heiligabend) gegenüber Weltumsegler Rollo Gebhardt ein. Fricke war genauso erstaunt. Für Gebhardt, den Delphinschützer, ist die Treibnetzfischerei Schuld daran. Rund 300.000 Wale und Delphine stehen jährlich auf ihrer Todesliste. Auch viele andere geschützte Meresbewohner fallen diesen bis zu 100 Kilometer langen und 100 Meter tief hängenden Netzen zum Opfer.
Dann entdecke ich sie: die erste Banane auf diesem Bananendampfer – in der Hand eines Matrosen. Ich muss einen so erstaunten Eindruck auf ihn gemacht haben, dass er mich grinsend und kauend in den Bootsmanns-Store schickt: „Da steht ein ganzer Karton, kannst Dich bedienen!“
Wenig später dringen Grilldüfte durch die Klimaanlage in meine Kammer. Auf dem Achterdeck gart ein Ferkel über Holzkohleglut am Spieß, mit ruhiger Hand und geduldig gedreht von einem Oiler aus der Maschine. Zur Dinner time ist Barbecue angesagt, und der erste Alexej Ishakov aus Sankt Petersburg hat Geburtstag. Samstagabend auf See.
Die Philippinos, nicht nur untereinander sehr kommunikationsfreudig, werden mit jedem Bier ausgelassener. Alkohol lockert bekanntlich die Zunge. Vorrangige Gesprächsthemen an den langen Tischen unterm Kreuz des Südens sind natürlich Heimat, Familie, Seefahrt und manchmal auch – Gott sei Dank, finden alle – die sehr ferne Politik. Darüber erfahren wir nur Kurzmeldungen aus der täglich gefaxten Bordzeitung, ein paar DIN-A4-Seiten. Am Interessantesten für die Männer: Fußball und Wetter.
Zwischenfälle gibt es auch – wenn der Seegang Flaschen zersplittern lässt oder den Kapitän mit seinem Plastikstuhl meterweit über Deck schliddern lässt.

Sundowner im Stop-and-go
Plötzlich, kurz nach der Mona-Passage, stoppt die Maschine, 4224 Seemeilen nach Antwerpen. „Hansa Lübeck“ treibt motorlos wie ein Großsegler vor dem Wind. „Wir haben jetzt zwei Tage Zeit“, freut sich der Chief, „unser Liegeplatz in Rio Haina bei Santo Domingo ist noch besetzt“. Lutz Sprenger kann endlich mit seiner technischen Truppe einen Kolben ziehen.
An Backbord zwei weiße Bojen, mitten auf hoher See. Treibnetze! Das Relings-Gespräch zwischen Herbert Fricke und Rollo Gebhardt rückt auf einmal in einen schaurig-konkreten Vordergrund.
Dann grummelt es wieder im Keller: 15.220 Pferdestärken kommen wieder in Bewegung. Am Heck setzt ein Matrose die Flagge Liberias des in Monrovia registrierten Schiffes.
Gegen Mittag zeichnet sich voraus im blauen Dunst die felsige Südküste der Dominikanischen Republik ab. Garniert von tropischem Grün und rostigen Industrieanlagen mit rauchenden Schloten. Neben der Hafeneinfahrt ein von der See zerschlagenes Frachter-Wrack. Der hat hier offenbar nicht die Kurve gekriegt. Der Lotse dirigiert den 12.000-Tonner pünktlich – High noon! - an eine Pier in der Mündung des Rio Haina, nach dem auch der Hafen benannt wurde.
Am Nachmittag holt uns ein freundlicher Agent ab. Bernd Ruschel möchte im Auftrag des Chiefs einen neuen Rechner kaufen. Nach einer halben Stunde abenteuerlicher Kutscherei downtown findet der Dominikaner den richtigen Laden, Ruschel einen Rechner zu gutem Preis. In der pulsierenden, vom spanischen Kolonialstil geprägten Altstadt lassen wir uns auf einer Piazza unter schattenspenden Palmen nieder. Es ist nicht heiß, nur angenehm warm. „Winter“, sagt der Agent. Bei Pizza und lokalem Bier genießen wir das Flair der Inselhauptstadt. Der Rückweg an Bord gerät im Feierabend-Stop-and-go-Verkehr mit Beinahe-Crash zur Stadtrundfahrt. Ein fliegender Händler bietet Trink-Kokosnüsse durchs offene Wagenfenster an, schlägt mit der Machete ruck-zuck ein grünes Riesenexemplar auf und bekleckert die Hosen des Agenten. Der greift kurzerhand zu und gibt eine aus. Hinter uns ein wütendes Hupkonzert. Was soll´s,  wir sind begeistert und saugen an unseren Strohhalmen. Köstlich, sozusagen ein naturbelassener Sundowner-Drink.
Nach Sonnenuntergang erreichen wir das Hafentor. Lockere Sichtkontrolle, man kennt sich. Wer noch im dunklen Fond sitzt – egal. ISPS-Sicherheitsvorschriften mit Identitätskontrolle und Abgleich der Crewliste? Weit entfernt davon! Hier nimmt man die amerikanische Bevormundung anscheinend gelassener als anderswo.

Alter Bekannter im Hafen
Auslaufen am nächsten Vormittag mit ein paar Containern weniger und einigen dazugekommenen. Die beiden Schlepper ziehen an und bugsieren den Frachter ins Wendebecken. Gegenüber liegt eine RoRo-Fähre, halb weiß, halb blau gestrichen. Am Steven weiß aufgemalt CARIBBEAN CARRIER, doch darunter noch gut im Fernglas zu erkennen die erhabenen Buchstaben AUERSBERG. Ein ehemaliges Schiff der früheren staatseigenen Deutschen Seerederei der DDR. In der Karibik beginnt sie ein neues Leben.
Das nur wenig beladene Schiff beginnt in der Dünung schwer zu rollen, teilweise über 30 Grad nach jeder Seite. Nichts für empfindliche Mägen, aber Auftakt einer artistischen Geburtstagsfeier beim Bootsmann: Ständig muss man sich selber, Stuhl, Flasche und Glas festhalten. Eine fliegende volle Rotweinflasche bedeutet das Ende des Teppichboden in der Chief-Kammer. Stundenlang habe er später auf Knien gelegen: „Da muss wohl ein neuer ´rein“, meint er schließlich kapitulierend vor den blutroten Bordeaux-Spuren.
Gegen sechs Uhr früh werde ich wach. Das vertraute Maschinenbrummeln verstummt. „Hans Lübeck“ treibt wieder. „Der Charterer hat gewechselt“, erklärt Bernd Ruschel, als er nach dem Frühstück in meiner Kabine vorbeischaut. Wie so oft, wenn er zu seiner Kammer geht oder von dort kommt. Der Fahrplan habe sich geändert, dadurch sei alles durcheinander geraten. Das bedeutet eine Woche länger auf See. „Ist uns egal“, hat Ruschel nichts dagegen, „wir werden abgelöst, wenn unsere Bordzeit um ist“.

UNESCO- und polizeigeschützt
Am 14. Seetag läuft MS „Hansa Lübeck“ in die Bucht von Cartagena ein. Die schmale Einfahrt ist festungsbewacht, am Strand mit Palmwedeln gedeckte Hütten. Scharfer Kontrast um die Ecke: Hinter dem Leuchtturm taucht vor uns eine Manhattan-Kulisse mit Wolkenkratzern auf. Neben dem Fahrwasser eine Marien-Statue, die an die viel größere Freiheitsdame vor New York erinnert. Über die roten Ziegeldächer der jahrhundertealten Ciudad veja ragen Kirchtürme und Kuppeln, gekrönt von einem Berg mit aufgesetztem Kloster. Kolumbiens Cartagena gilt als die schönste unter den kolonialen Hafenstädten Amerikas.
Unser Schiff liegt nahe der UNESCO-geschützten Altstadt. Im Ladebüro drückt mir Chief mate Ishakov den Landgangsausweis in die Hand. Die Kontrollen am Ausgang sind diesmal streng. Vor dem Tor wartet ein Wagen auf mich. „Rafael Aroyo-Medina“, stellt sich der indianisch aussehende Fahrer vor, der mich während der nächsten Stunden begleiten wird. Organisiert vom Agenten. Wir handeln den Preis aus: 30 US-Dollar. Okay für einen halben Tag.
Hinein ins südamerikanische Verkehrsgetümmel. Vorbei an der wuchtigen spanischen Festung Castillo Grande mit Touristenschlangen davor und einen altstadtnahen Parkplatz gesucht. Per pedes geht es weiter, denn die engen Gassen, die von ansehnlich restaurierten Kolonialbauten eingefasst sind, gehören den Fußgängern. Rafael dirigiert mich zielstrebig in einen Laden. Ringsum wie eigentlich überall starke Polizei- und Militärpräsenz, Maschinenpistolen im Anschlag. Zumindest tagsüber ist das Viertel sicher.
Der Ladenbesitzer, ein ehemaliger berühmter Stierkämpfer, wie er mir stolz Fotos an den Wänden zeigt, entpuppt sich als guter Bekannter meines Fahrers. Der erhofft sich eine Provision, wenn ich Gold- oder Silberschmuck kaufe. Machart und Preise sind mehr für betuchte US-Touristen. Nichts für meine Frau, die mir am Telefon sagt: „Zwar ein gut gemeintes Souvenir von Dir, aber lass´ es lieber!“
Mich zieht es zum Baden an den Boca-Grande-Strand. Wozu habe ich Badehose und Handtuch eingepackt?! Ich genieße das warme Karibik-Wasser in vollen Zügen, derweil Rafael meine Sachen bewacht.
Wieder im Hafen, fällt mir auf, dass ein Boot der Küstenwache an unserem Schiff auf und ab patrouilliert: „Drogas!“, grinst ein kolumbianscher Arbeiter auf meine erstaunte Frage. Aha, die wollen Droggenschmuggel verhindern. Bernd Ruschel erzählt mir an Bord, dass auf der „Hansa Lübeck“ mal ein Oiler erwischt wurde, der das schnelle Geld machen wollte, erwischt wurde, im Gefängnis und auf einer Schwarzen Liste landete sowie später ausgeflogen wurde: „Der bekam natürlich nie wieder einen Job Bord-Job“.

Vom Winde verweht
Schlappe 129 Seemeilen nach Norden bis Santa Marta, ein nautischer Katzensprung! Spät Abends dann die Nachricht: Liegeplatz von einem defekten Schiff belegt. Langsame Fahrt und wieder Unsicherheit. Kapitän Rothe geht schimpfend aus sich heraus: „Auf nichts kann man sich hier verlassen!“ Ich hingegen sehe das positiv, denn es könnte ja ein Landgang am Tage dabei herausspringen.
„Glück“ gehabt: erst Frühmorgens schiebt sich die Sierra Nevada, der nördlichste Anden-Ausläufer, über die klare Kimm. Mit 5770 Metern hält sie den Höhenrekord unter allen Küstengebirgen der Welt.
Santa Marta liegt traumhaft versteckt in einer bergumschlossenen Bucht. Die beige-braunen Hänge sind geradezu überwuchert von Kakteen. Trockene Fallwinde sorgen dafür. Gerammelt volle Strände und Hotels beherrschen den Küstenstreifen. Karneval steht vor der Tür.
Bis 1940 betrieb im feuchttropischen Landesinnern der  mächtige US-amerikanische United-Fruit-Konzern eine der größten Bananenplantagen. Im Dezember 1830 starb hier der Befreier vom Kolonialjoch, Simon Bolivar. Heute lebt die Stadt, die einst erster spanischer Verwaltungssitz auf dem amerikanischen Festland war, vom Hafen und Tourismus.
Um neun Uhr möchte ich an Land gehen, denn alles ist fußläufig schnell erreichbar. „Loading is soon completed“, bescheidet mich der Chief mate, „nix Landgang!“ Mit meinem Shore pass kann ich anscheinend nichts mehr anfangen. Die Zeit verrinnt, doch nichts rührt sich – oder doch?
Plötzlich von der Pier Schreie. Hafenarbeiter gehen hinter Containern in Deckung. Eine unserer Festmacherleinen in ihrer Nähe knallt beängstigend, als würde sie gleich brechen und wegfliegen. Lebensgefährlich! Der böige Wind von den Bergen übt mächtigen Druck aus auf die große Segelfläche der „Hansa Lübeck“.  In der scharfkantigen Klüse hat sich das Kunststoffmaterial schnell wundgescheuert. Sie wird ausgewechselt und gespleißt.
Der Wind sorgt auch für Müllbeseitigung. Ich traue meinen Augen nicht, als die Bucht übersät ist von blauen Plastiksäcken und Pappkartons. Eben lagen sie noch auf einem LKW, der neben der Bordwand parkt. Kurz vorher haben ihn unsere Matrosen auf die Ladefläche gepackt, nun schwimmt das Zeug davon. Ich kann gerade noch ein paar dokumentarische Fotos schießen.

Müll-Theater - arretiert
Mit hoher Fahrt steuert ein Schnellboot der Küstenwache das vom Winde verwehte Treibgut an und fischt ein paar Säcke heraus, mehr nicht, unverständlicherweise. Hinter unserem Heck legen die Wasserschützer mit ihren Beweisstücken an, bald umringt von über Funk angeforderter uniformierter Verstärkung. Das kann spannend werden! Vor allem für uns. Die Herren stelzen wichtigtuerisch an Bord und verschwinden im Kapitänssalon. Nach drei Stunden tauchen sie wieder auf, Kapitän Dieter Rothe im Gefolge. Das Schiff, so Chief mate Ishakov, werde so lange arretiert, bis der Fall geklärt ist. In Südamerika hat man Zeit. Also kann es dauern…Eine glückhafte Chance für mich? Ich nutze sie und frage den Wachsoldaten an der Gangway. „Si, Senor, no hay problema para usted“, gibt er mir grünes Licht. Ohne jegliche Wertsachen, bis auf meine Billig-Armbanduhr, aber mit Badehose und Handtuch bewaffnet marschiere ich los zum hafennahen Strand. Immer die „Hansa Lübeck“ im Blick. Für den Fall der Fälle müsste ich sofort losspurten. Der Wachmann an Bord weiß aber, wo ich bin. Notfalls würde man mich per Typhon verständigen.
Die Karibik lockt. Ich bade, völlig unbehelligt, aber mit herumalbernden Kindern, kläffenden Hunden und im Sturzflug neben mir eintauchenden Pelikanen.
Beim Sonnen beobachte ich das kolumbianische Wochenendgetümmel. Hunderte von bunten Buden hinter mir auf der palmengesäumten Promenade bieten jede Menge Kitsch aus China und Kolumbien an. Junge Familien mit vielen schreienden ninos starten vom Strand aus zu Bootstouren durch die Bucht. Die ist alles andere als sauber. Jeder wirft weg, was er nicht mehr braucht. Aber mit unserem – aus Bord-Sicht unverschuldeten - Fall könnten die behördlichen Mafiosi sich ein schönes Zubrot verdienen. So kurz, bevor der Karneval ausbricht, verspricht „Hansa Lübeck“ ein ganz einträglicher Deal zu werden.
Irgendwann abends wird der Kapitän freigelassen und kommt allein zurück an Bord. Um 5000 Reederei-Dollar erleichtert. Nach elf Stunden quälenden Wartens können endlich die Auslaufvorbereitungen beginnen.
Passend zum großen Müll-Theater die lila angestrahlte Leuchtturm-Insel. Sie erscheint wie die Kulisse einer Wagner-Oper. Langsam versinken die Lichter von Santa Marta im Kielwasser. „Hansa Lübeck“ beginnt wieder ihr Schaukel-Ballett.
Noch 532 Seemeilen bis Moin, das wie der norddeutsche Rund-um-die Uhr-Gruß heißt. Der kleine Hafen liegt bei Puerto Limon in Costa Rica.

Plattdeutsch in Costa Rica
Es ist heiß auf See – drückende 33 Grad im Schatten. An Backbord irgendwo die Einfahrt zum Panama-Kanal. Ein Schiff passiert vor uns und steuert die künstliche Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik an, das erste, dem wir auf hoher See begegnen.
Am 16. Tag gegen 20 Uhr kommen die Lichter des Ortes in Sicht. Wieder müssen wir treiben, weil der Liegeplatz noch nicht frei ist. Die Philippinos vertreiben sich die Zeit mit Karaoke zum Mitsingen vorm Fernseher. Erst um ein Uhr früh kann angelegt werden.
Vier Bordkräne schwingen aus, weiße Container schweben durch die tropisch feuchte Luft, Luken werden geöffnet. Sofort beginnen die Lade- und Löscharbeiten. Ein herrlich süßer Ananas-Duft liegt in der Luft. Von der begehrten und preiswerten Exotik-Frucht sollen 720 Tonnen in Kartons auf Paletten geladen werden. Endlose Kolonnen von schweren Kühltrucks amerikanischer Fabrikate haben sich an der Pier aufgereiht, um ihre begehrte Fracht loszuwerden. Einer nach dem anderen röhrt aus hohen verchromten Auspuffrohren rußend heran.
Am nächsten Morgen: Ein lokaler Malertrupp pönt von schwankenden Stellagen aus den rostigen Steven um den Anker herum. Der Vorabeiter spricht mich auf Deutsch an, als ich fotografiere. Sogar Platt kann er: „Ick bünn mal op dütsche Schepen foarn“, lacht er. Er kann mich auch mit Landgangs-Tipps versorgen.
Ein paar hundert Meter rechts vom Hafenausgang dehnt sich ein kilometerlanger, menschenleerer, braunsandiger Strand mit schöner Brandung. Da habe ich auch keine Hemmungen, FKK zu baden.
Im Uferwald versteckt das kleine Dörfchen Moin. Ein Gang über die Schlaglochpiste gewährt Einblicke. Raggae-Klänge dröhnen aus den kleinen Hütten. Ein Schild am Straßenrand klingt verlockend: „Bar Azul“, „Blaue Bar“. Im offenen palmstrohgedeckten Rundbau am Fluss genieße ich ein kühles Bier mit Urwaldkulisse.
Zum sonntäglichen Steak-Dinner bin ich mit einem bunten Blumenstrauß wieder an Bord. Ein Wachmann schenkt mir sechs reife Ananas – „gut für die Potenz“, grinst der russische Zweite Ingenieur -, deren Duft meine Kabine füllt, sogar aus dem Kühlschrank heraus.
Kurz vor dem Auslaufen checkt ein Taucher noch den Rumpf nach versteckten Drogen. Er wird zum Glück nicht fündig.
Um 20 Uhr ziehen die Schlepper wieder an. 431 Seemeilen durch die Bucht von Panama bis nach Turbo an der kolumbianisch-panamaischen Grenze sind über Nacht abzudampfen.

Seguridad Privada - Drogenjäger
20 Tonnen Karibik, warm wie in einer Badewanne, gurgeln in den Drei-mal-vier-Meter-Pool hinter der Brücke. Der Seegang schaukelt das Wasser zum Wellenbad auf. Mit Fernblick über den Rand und das weite Meer bis hin zu den San Blas Inseln, bewohnt nur von ein paar Indianer-Familien.
Das Kielwasser schäumt. „Hansa Lübeck“ fliegt mit 21 Knoten nur so dahin. „Die Bananen warten nicht“, schaut Dritter Offizier Fernando Pimentel von seinen Seekarten-Korrekturen auf“, „zu langes ungekühltes Lagern bei tropischen Temperaturen macht sie unbrauchbar“. Daher müsse aufs Tempo gedrückt werden, auch um mögliche Schlechtwetterphasen zu kompensieren.
Bei meinen sportlichen Rundgängen blasen mich kalte Ananas-Düfte aus den laut summenden Kühlcontainern an. In den Lücken zwischen ihnen steht die heiße Luft – ein Wechselbad. An Deck ringeln sich Kabelschlangen, denn die Aggregate brauchen Saft.
Während die Matrosen spleißen, Rost abschleifen und malen, überwachen Zweiter Offizier, Elektriker und Kühltechniker die digitalen Temperaturanzeiger der Kühlanlagen. Hin und wieder taucht auch mal ein nach Luft schnappendes „Kellerkind“ aus der Maschine an Deck auf.
Gegen 20 Uhr soll das Schiff lade- und löschklar zu Anker vor Turbo im Golf von Uraba liegen. In unserem dritten kolumbianischen Hafen wird das Schiff proppevoll geladen mit 5000 Tonnen Bananen auf Paletten und in 32 Containern.
Sicherheit geht hier über alles. Zusammen mit dem Lotsen klettern zehn junge, kräftige Männer unter Waffen an Bord. „Seguridad Privada“, „Private Sicherheit“ ist auf den Rücken ihrer schwarzen Overalls zu lesen. Jedes Schiff, insgesamt liegen fünf „Bananenjäger“ auf Reede, ist in ihren Augen ein potenzieller Drogentransporter. Bevorzugte Verstecke sind Container. „Auf ´Hansa Lübeck` wurde der Stoff mal per Zufall in einem defekten Lüfter entdeckt“, erzählt mir Bernd Ruschel.
Ein Schlepper bringt rund 50 Arbeiter an Bord. Body- und Taschencheck durch die Marshals.
Flache Bargen werden längsseits bugsiert, „damit“, so Ruschel“, die Container ´runterkommen. Erst dann können die Luken geöffnet und beladen werden“. Die von unseren Kränen abgehobenen Kisten hängen an einer Festmacherleine als langer Schwanz hinterm Heck und wedeln im Wind hin und her.
Die Kolumbianer sind ausgerüstet für die lange Nachtschicht. In Taschen bringen sie Essen und Getränke mit. Während der Pausen schlafen sie auf Pappunterlagen an Deck oder in Hängematten. Danach putzen sie sich hingebungsvoll lange die Zähne und pinkeln durch die Reling, obwohl es Toiletten für sie gibt.

Violencia überall
Mein Telefon schrillt, in aller Herrgottsfrühe. Am Apparat Kapitän Rothe. Ob ich mit auf eine Bananenplantage fahren wolle? Gerne! Als ich dann den Preis – 330 US-Dollar!! – höre, lehne ich dankend ab. Da fühle ich mich von einem millionenschweren Konzern über den Tisch gezogen. Der Monatslohn von Steward Tony.
Obwohl mich das Zentrum des kolumbianischen Bananenanbaus mit seiner Schmugglerstadt im Wild-West-Stil schon gereizt hätte. Die Region, erzählt mir ein Wachmann später, ist eine der am stärksten von der Violencia – Schutzgelderpressungen, Entführungen und gewalttätige Auseinandersetzungen – heimgesuchten Ecken des Andenstaates. Irgendwie bin ich doch erleichtert, nicht an Land gegangen zu sein. Statt dessen bleibe ich an Bord und beobachte von hoher Brückennock-Warte aus das quirlige Leben und Treiben unter mir, untermalt vom Sirren der Kranmotoren.
„Gleich beginnt die große Show“, verkündet der Erste, „das Freifallrettungsboot am Heck soll zu Wasser gebracht werden, vollbesetzt“. Kurz vor Mittag ist es dann soweit: Das Boot wird von einem Matrosen innen ausgeklinkt, saust in Sekundenschnelle in schrägem Abwärtsflug durch die Luft, taucht aufspritzend ins Wasser ein und wird komplett von Gischt eingehüllt: gerettet!
Dann ein peitschender Knall: Am Kran Nummer zwei reißt ein Tragseil. Alles steht augenblicklich still. Bis es ausgewechselt und ein neues aufgetrommelt ist, vergehen kostbare Stunden. Eigentlich sollte „Hansa Lübeck“ schon längst vollbeladen ankerauf gegangen sein. Turbo wird uns noch einen dritten Tag festhalten.
33 Grad im Schatten, für eine Sonnenbad zu heiß. Der Pool ist leer, das beige-braune Seewasser zu sedimentbelastet. Die Alternative: ein Mittagsschläfchen. Das ist Punkt 15 Uhr zu Ende. Steward Tony Cabanog klopft energisch an meine Tür. Der wohlmeinende junge Mann will nur ein Stück frisch gebackenen Apfelkuchen mit Streußel samt einem Pott Kaffee bei mir loswerden. Wie immer strahlend-feundlich. Aha, heute ist Donnerstag, also Seemannssonntag. Da lässt man sich gern aus süßen Träumen wecken, um ebensolche realen zu genießen. 
Meint Chief  Sprenger beim Abendessen zum schweigsamen Kapitän: „In dieser Reise ist wohl der Wurm drin. Und wer ist Schuld? Unser Passagier natürlich!“ Das Ganze augenzwinkernd. Eine Reaktion vom Master kommt nicht. „Das“, so Sprenger hinterher resignierend, „habe ich schon seit vier Monaten aufgegeben“.
Gegen 21 Uhr schwebt der letzte Container an Bord, die Kräne senken sich in Ruheposition und die Luken können geschlossen werden. Per Motorboot fährt der Erste ums Schiff, um im Taschenlampenschein die Tiefgangsmarken abzulesen. Schlepper zerren die Bargen von der ramponierten Bordwand, Arbeiter und Sicherheitsleute verlassen den Frachter. An Deck hinterlassen sie einen Müllberg.
Beginn der Heimreise um 22 Uhr. Eineinhalb Stunden später stoppt „Hans Lübeck“ schon wieder. Mit einem Boot der Coast Guard sind Taucher längsseits gekommen. „Die checken“, erklärt Bernd Ruschel, „den Rumpf nach versteckten Drogen ab“. Nach dreißig Minuten ergebnisloser Suche wird der Frachter endlich freigegeben.

Olympiaverdächtiger Außenbords-Besuch
Ob wir halbwegs pünktlich den ersten Hafen Portsmouth in Südengland erreichen? Keiner weiß es so richtig. 4621 Seemeilen oder elf Tage über den winterlich rauen Nordatlantik liegen vor uns – mit vielen Unbekannten. In Deutschland, lesen wir, ist inzwischen ein bisschen der Winter einkehrt mit Frost und Schnee. Davon sind wir zum Glück noch sehr weit entfernt.
Nur im Schongang darf die Maschine hochgefahren werden, weil ein Kolben gezogen worden ist. Sonst gibt´s einen Kolbenfresser. Der Chief weiß, wovon er spricht, „aber davon will ich jetzt nichts wissen!“
Kurs Nordost auf die Mona-Passage zu. Der Nordost-Passat pustet uns ins Gesicht, die Karibik gibt sich ruppig, Wasser kommt über die Back. Mit ihrem Tiefgang von über acht Metern jedoch liegt „Hansa Lübeck“ wie ein Brett. Nachmittags dann schläft der Wind fast ein, die See zeigt sich seltsam ruhig, fast spiegelglatt. Beim Rundgang entdecke ich einen Fliegenden Fisch. Die silbrigen Kerlchen sind nicht nur Weit-, sondern auch Hochsprungmeister. Dann Aussenbords-Besuch: die ersten Delphine auf dieser Reise. Ein paar Minuten schwimmen die „lebenden Torpedos“ vor dem Wulstbug mit dem 21 Knoten laufenden Frachter um die Wette. Zum Abschied katapultieren sie sich noch einmal in die Luft und verschwinden so plötzlich, wie sie aufgetaucht sind.
Wie meistens nach einem bewegenden Pool-Wellenbad ist Sundowner-Zeit auf dem Brückendeck angesetzt, das obligate Bier zum Sonnenuntergang. „So macht Seefahrt Spaß!“, schwelgen Chief und Kühltechniker. Nach 18 Uhr färbt sich der Himmel in märchenhaften Gelb-, Orange- und Rottönen. Die Gestirne nehmen ihren hohen Platz ein. Einschmeichelnd-warme Luft umfächelt uns. Die langwellige Atlantik-Dünung wiegt mich in den Schlaf.
Am Abend des siebten Seetages kommt die Azoren-Insel Flores unter einer gewaltig aufgeblasenen Quellwolkenhaube in Sicht. Mal wieder Telefonchance! Über dem Vorschiff ein riesiger honiggelber Vollmond. Meine Frau antwortet, als ich ihr das erzähle: „Den sehe ich jetzt genau so“. Trotz drei Stunden Zeitunterschied. Die gleiche Sichtweise verbindet.

Nautischer Star vor Merry Old England
Mit Kurs 78 Grad preschen wir auf den West-Eingang des Englischen Kanals zu. Sonne, gute Sicht, nur leicht bewegte See, beste Navigations-Bedingungen. Ich stehe auf der Brücke mit dem Dritten, Fernando Pimentel. Auf unserer Kurslinie direkt voraus ein großer Containerfrachter, die „Star Ismene“, wie wir dank AIS, dem automatischen Identifizierungs-System auf dem Radarschirm ablesen können. Die Situation spitzt sich zu. Fernando ruft seinen unaufmerksamen Kollegen auf der anderen Seite mehrfach über UKW an. Keine Antwort. Entgegen jeder Regel dreht „Star Ismene“, kein nautischer Star, auf uns zu anstatt nach Steuerbord. Backbord an Backbord oder Rot an Rot heißt das Passagegebot. Statt dessen muss Fernando immer weiter nach Steuerbord ausweichen. Aus der Richtung kommt noch ein Fischkutter quer. Fernando ist stinksauer. „Ashhole!“, flucht er über den anscheinend völlig unerfahrenden „Fahrkünstler“. Als Klügerer gibt er nach. Aus so etwas kann sich ganz schnell eine Kollision entwickeln, wissen wir. 
Am elften Seetag macht „Hansa Lübeck“ in Portsmouth fest, in Steinwurfweite des Royal-Navy-Stützpunktes und stadtnah. Vor uns liegen, wie um uns zu bewachen, graue Flugzeugträger, Kreuzer und Zerstörer.
Kräne und Schauerleute packen mit europäischem Tempo zu. Ich hingegen habe Zeit, einen Tag und eine halbe Nacht.
Nach zwanzig Minuten Fußmarsch erreiche ich den Dockyard, überragt von Admiral Nelsons hölzernem Dreimaster „Victory“, einst größtes Kriegsschiff der Welt. Ich bummle über die Hafenmeile, bestaune den gewaltigen musealen Dampfsegler HMS „Warrior“ und recke den Hals zu Portsmouths Wahrzeichen hinauf, dem Spinnaker Tower, einem Riesensegel aus Beton und modernes Wahrzeichen der historischen Stadt. Im winkligen Fischereihafen locken urgemütliche Pubs. Ein, zwei Guinness-Biere müssen schon sein, mit Wasserblick auf ein- und auslaufende Fähren hinüber zur Insel Wight. Schlenker durch Altstadt, Uni-Viertel, Parks mit blühenden Stiefmütterchen und die City. Alles macht einen propperen Eindruck. Viele junge Leute, anscheinend Studenten, sind auf den Beinen oder genießen die frühlingshafte Sonne.  Der breite südenglische Dialekt ist allerdings gewöhnungsbedürftig.
Für Bernd Ruschel kann ich abends schon den Guide geben. Wir drehen nach seinem Feierabend noch eine Runde durch Downtown. „Wird sowieso nichts heute Abend“, weiß er, „ein Kranmotor hat seinen Geist aufgegeben“. Das Bier schmeckt um so besser. „Dockschwalben“ flattern durch die Nacht, nichts für treue Seeleute.

Willkommen in Hamburg!
Erst um sechs Uhr in trüber Frühe klatschen die Leinen ins Tyne-Wasser.
Der Sechs-Meter-Propeller peitscht mit Höchstfahrt die regenverhangene, unruhige Nordsee. Tagesverbrauch dabei: 25 Tonnen Schweröl. Die Luft ist ungewohnt frostig, der passende Empfang in heimischen Gewässern.
Unglaublich, aber wahr: Pünktlich um sechs Uhr, wie berechnet und trotz Verspätung, stoppt „Hansa Lübeck“ vor Elbe I. Der Seelotse steigt auf. Über Brunsbüttel und der Einfahrt zum Nord-Ostsee-Kanal, wo der Elblotse an Bord kommt, geht sogar die Sonne auf. Ein strahlender Flussreise-Tag zwischen den Deichen der tiefliegenden Marschen von Niedersachsen und Schleswig-Holstein beginnt. Vom Willkomm-Höft in Schulau wehen Hamburgs Hammonia- und Liberias Nationalhymne herüber. „Die deutsche wäre mir lieber gewesen“, gesteht Bernd Ruschel freimütig. Hier überkommen auch hartgesottene Seeleute Emotionen. Auch als der gläserne Büropalast der Reederei Leonhardt & Blumberg querab liegt. Überdimensionale Kontorflaggen  und winkende Angestellte begrüßen uns. So häufig lässt sich der Frachter nicht auf der Elbe blicken. Kapitän Rothe lässt im Gegenzug das Typhon dreimal lang losdröhnen. An Backbord präsentiert die Hansestadt ihre berühmte maritime Schokoladenseite mit Michel, der „Cap San Diego“, „Rickmer Rickmers“ und dem russischen Vollschiff „Mir“ an der Überseebrücke. „Hansa Lübeck“ schiebt sich fast bis ans Ende des Hafens vor den Elbbrücken. Für mich eine Premiere. Am O´Swald-Kai wird festgemacht. „Ende der Seereise“, vermerkt das Logbuch lakonisch. „Alles Banane“, lächelt der sonst so muntere Berliner Ruschel gequält, „solange ich noch nicht zu Hause bin“. Drei Monate wird er noch für knackfrischen Nachschub von „krummen Dingern“ nach Europa sorgen müssen. 

Dr. Peer Schmidt-Walther

Infos:

Schiffsdaten MS „Hansa Lübeck“ (Schwesterschiffe: „Hansa Bremen“, „Hansa Visby“, „Hansa Stockholm):
Bauwerft: Bremer Vulkan; Ablieferung: 7.12.1990; Reederei: Leonhardt & Blumberg, Hamburg; Flagge: Liberia; Heimathafen: Monrovia; IMO-Nummer: 890 906 8; BRZ: 11.981; tdw: 12.942; Länge: 156, 86 m; Breite: 23 m; Tiefgang (max.): 9,50 m; Höhe Kiel – Mast: 37,25 m;Crew: 21; Passagiere: 4; Klasse: Germanischer Lloyd (GL): 100 A 5 Refrigerated Cargo Ship, equipped for carriage cars and containers; 428 TEU; Hauptmaschine: BV/MAN/B&W 7L60MC; Leistung: 11.200 kW/15.220 PS; 2 MAN/B&W-Hilfsdiesel: 1.470 kW, 1050 kW; 1 vierflügliger Propeller, Durchmesser 6 m; Geschwindigkeit (max..) 22 kn; Verbrauch/Tag (max.): 25 t Schweröl

Route (wechselnd, je nach Charterer); Dauer einer Rundreise: vier bis fünf Wochen;

Buchung, Preise: Reederei Leonhardt & Blumberg, Frau Christina Seiffert-Behn, Neumühlen 13, 22763 Hamburg; Telefon: 040-36 146 129; Internaves Frachtschiffreisen, Frau Christina Horn, Lichtentaler Str. 14, 76530 Baden-Baden, Tel.: 07221-393837 



 
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