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Auf der „Hochsee-Autobahn“ durch Schleswig-Holstein
Geschrieben am Tuesday, 22.August. @ 04:25:00 CEST von redaktion

Kreuzfahrt allgemein An Bord des Containerfrachters „OOCL Nevskiy“ hautnah dabei
Seeleute nennen ihn ganz repektlos nur den „Graben“. Im offiziellen Sprachgebrauch bekannt als Nord-Ostsee- oder schlicht Kiel-Kanal, heißt er in Kurzform nur NOK.
Festmacher, ehemalige Seeleute, nehmen die schweren Leinen in Empfang. Rund 20 Minuten dauert die Fahrt im „Wasserfahrstuhl“, bis der Nordsee-Pegel mit dem Kanalniveau übereinstimmt.

Die Zeit nutzt der Vertreter des Schiffsmaklers, um den notwendigen „Papierkram“ mit dem Kapitän zu klarieren. Natürlich geht´s ums Geld: Eine Latte von Kanalbenutzungsgebühren ist dann fällig. So mancher Reeder kalkuliert genauer denn je seinen Kosten-Nutzen-Vorteil. Und das wirkt sich natürlich aus auf die Zahl der Passagen. Nicht so bei der „OOCL Nevskiy“. Sie passiert fast wöchentlich den NOK.
Das riesige Innentor zum Kanal öffnet sich. „Klar vorn und achtern!“ In das internationale Sammelsurium von Schiffen kommt Bewegung. Langsam formiert sich daraus zwischen den Ortsteilen von Brunsbüttel ein Konvoi mit Kurs Ost.

Geblitzt wird auch
Der Wunsch der Seefahrer, den oft sturmgepeitschten Weg um Dänemarks Nordspitze, das Kap Skagen, zu meiden, ist schon sehr alt. Darum reicht die Vorgeschichte des Kanals auch gut tausend Jahre zurück. In der Wikinger-Zeit wurde die Eider befahren. Mit zunehmenden Schiffsgrößen war auch das nicht mehr möglich. Bis 1784 der Schleswig-Holsteinische oder Alte-Eider-Kanal fertiggestellt wurde. Nach der Reichsgründung, als Kiel zum Marinestützpunkt der kaiserlichen Flotte avancierte, brauchte man eine schnelle und leistungsfähige Wasserverbindung für Kriegsschiffe zur Nordsee. Nach einer Reihe unterschiedlichster Trassenplanungen fiel die Entscheidung zugunsten der heutigen Linienführung. Von 1887 bis 1895 wurde die Cimbrische Halbinsel durchschnitten. Inzwischen ist der damals Kaiser-Wilhelm-Kanal getaufte Wasserweg 110 Jahre alt.
Genau 98,7 Kilometer „Hochsee-Autobahn“ mit durchschnittlich elf Metern Tiefe liegen vor dem hochmodernen Frachter. Die Maschinen laufen jetzt nur mit langsamer Fahrt. 15 Kilometer pro Stunde sind das erlaubte Maximum, und „geblitzt“ wird auch hier schon manchmal aus dem Gebüsch. Auswaschungen durch Wellenschlag und andere Beschädigungen müssen vermieden werden. Die Uferböschungen verlieren jährlich pro laufenden Meter bis zu zehn Kubikmeter Boden. Wer soll das bezahlen? Das sind Kosten, die durch Gebühren allein nicht gedeckt werden können. Experten wollen allerdings wissen, dass es noch einen „Kostensenkungsspielraum“ gibt. Zumal die Zahl der Passagen ständig zunimmt und mehr Geld in die Kassen spült.

Verkehrslenkung
Gespart werden soll auch am Lotswesen. Neuordnungen sind in der Diskussion. Eins dürfe jedoch nicht passieren: dass Veränderungen zulasten von Sicherheit gehen. Die Lotsen müssen in dem engen Kanal-Schlauch mit größter Vor- und Umsicht navigieren. Dennoch kommt es vor, dass ein Schiff -  an manchen Stellen genügen Kursabweichungen um nur ein bis zwei Meter -  Grundberührung hat und festkommt. Erklärung: Durch Fahrt und Schraube wird Wasser unter dem Kiel weggesogen, es sackt auf den Grund, bleibt für einen Moment stehen, bricht aus und ist nicht steuerbar. Darauf könne man nur schnellstens mit entsprechenden Ruder- und Maschinenmanövern reagieren. Wenn ein Schiff aus dem Ruder läuft, sind, so haben genügend Fälle gezeigt, stunden- oder tagelange Wartezeiten Folge einer solchen unfreiwilligen Blockade. Abgesehen von einem Rattenschwanz an Verlusten.
Die Verkehrslenkung hinter den Kulissen durch erfahrene Nautiker ist deshalb eine organisatorische Meisterleistung. Ein Schiff ist weder ein Auto noch ein Zug, die man ohne weiteres abbremsen kann. Zusätzlich erschwerend wirken Wind und Wetter wie Nebel, Eis oder Schneetreiben. Zu manchen Zeiten sind bis zu 250 Schiffe pro Tag im Kanal unterwegs gewesen. Eine solche Masse will koordiniert sein!
Bei Breiholz blinkt ein rot-weiß-rotes Lichtsignal. Voraus erweitert sich das bis dahin enge Fahrwasser. „OOCL Nevskiy“ muss wie schon zwei andere Schiffe in einer Ausweichstelle, kurz Weiche genannt, festmachen. 12 gibt es davon im NOK. Wer warten muss, bestimmt der Lenker an Land nach Situation und Reglement. Die Schiffe werden je nach Länge, Breite, Tiefgang und Art der Ladung in sechs Verkehrsgruppen eingeteilt. Es dürfen, wo es eng wird, immer nur Schiffe aneinander vorbeifahren, deren Verkehrsgruppen zusammen sechs ergeben. Ansonsten ist auch die Quersumme acht erlaubt.   Der „Gegenkommer" gehört schon der Gruppe sechs an, ist aber ein noch dickerer Brocken. Maximal dürfen 235 Meter Länge, 32,5 Meter Breite und 9,5 Meter Tiefgang nicht überschritten werden.

Unter deutschen Dächern
„Nova“ wird mit den anderen an die Pfähle geschickt. Bis der langsame Konvoi durch ist. Von der 22 Meter über dem Wasser liegenden Brückennock schweift der Blick weit übers Land: Felder, Wiesen und Wälder. Keine Zeit für Romantik. Frische Wiesendüfte ziehen in die Nase. Kühe blicken nicht mal mehr auf, wenn ein Dampfer vorbeirauscht. Hinter Büschen und Bäumen ducken sich blitzsaubere Gehöfte. Das ist Seefahrt durch den Bauernhof!
Der Lotse steigt in Rüsterbergen bei Rendsburg aus. Kurze Pause in der Station. Vier Stunden konzentrierte Revierfahrt sind stressig genug.  Ein anderer Kollege übernimmt den Job bis Holtenau. In der Brüderschaft sind 215 dieser erfahrenen Nautiker als Freiberufler zusammengeschlossen.  Die beiden Kanalsteuerer – insgesamt sind es 88 - bleiben an Bord und wechseln sich in halbstündigem Rhythmus ab.
Plötzlich ein Gepolter in der Luft: Über die Rendsburger Hochbrücke kriecht ein endlos langer Güterzug. Die Antennen scheinen die Stahlkonstruktion zu streifen. Generell sind höchstens 39,50 Meter Durchfahrtshöhe erlaubt. Oder es knirscht „im Gebälk“. Zwei norwegische Kreuzfahrtschiffe sind sogar extra deswegen mit einem klappbaren Schornstein ausgerüstet worden.
Der Blick in die Fenster von Einfamilienhäusern längs der Böschung erinnert an den Film „Unter deutschen Dächern“. Da sieht man vieles...
Knapp siebeneinhalb Stunden hat die Reise über Land auf dem „Silberband“ zwischen den Meeren gedauert. Das ist Schleswig-Holstein mit einem „dicken Pott“ im Radfahrertempo. In der Kieler Förde liegen die beiden Maschinentelegrafen wieder „auf dem Tisch“ – mit voller Fahrt Finnland entgegen. 

Was sich alles hinter der simplen Abkürzung NOK verbirgt, lohnt sich, dass es hier noch einmal im Überblick präsentiert wird.

Der Nord - Ostsee - Kanal (früher auch Kaiser - Wilhelm  - Kanal genannt) heißt in der internationalen  Schifffahrt Kiel - Canal. Er erspart den Umweg um Skagen, eine Wegverkürzung von 250 Seemeilen.
Waren für seinen Bau noch seestrategische Gründe maßgebend, so steht der Kanal heute ausschließlich im Dienst des Warenaustausches der  Ostseeländer mit der übrigen Welt.
Er wurde  nach achtjähriger Bauzeit am 21. Juni 1895 dem Verkehr übergeben.
Der Nord - Ostsee - Kanal verbindet die Elbe bei Brunsbüttel mit der Kieler Förde. Durch  Marsch und Geest folgt er bis Rendsburg der Eiderniederung, erreicht dann das holsteinische Hügelland und mündet nach gut 98 km bei Kiel - Holtenau in die Förde.
Eine Fahrt durch den Kanal dauert, je nach Verkehrsdichte und Schiffsgröße, sieben bis neun Stunden.
Schon zehn Jahre nach der Eröffnung genügte der Nord - Ostsee - Kanal den nationalen militärischen Forderungen nicht mehr. Die Erweiterung von 1907 bis 1914 verdoppelte seinen Querschnitt. In diesen Abmessungen erfüllte er bis in die 50er Jahre alle Ansprüche.
Der Verkehr wird von einer Verkehrslenkungsstelle in Brunsbüttel und Kiel - Holtenau nach einen bestimmten System geregelt.

Kanal-Geschichte
Für den Bau musste eine eigene Behörde gegründet werden: Die „Kaiserliche - Kanal - Commission“ mit Sitz in Kiel.
Am 03. Juni 1887 wurde  mit großem öffentlichen Aufwand in Kiel - Holtenau die Grundsteinlegung des Kanals gefeiert. Kaiser Wilhelm I. war persönlich anwesend. 1888 war mit den Erdarbeiten begonnen worden. 80 Millionen Kubikmeter Boden mussten bewegt werden, und bis zu 8.000 Menschen waren von Brunsbüttel bis Holtenau beschäftigt. 90 Lokomotiven und 65 Dampfbagger waren im Einsatz.
Am 21. Juni 1895 legte Kaiser Wilhelm II. den Schlussstein in Holtenau. Zu Ehren seines Großvaters Wilhelm I nannte er die Wasserstraße „Kaiser - Wilhelm - Kanal“. Damit war der Kanal eröffnet.

Arbeiter
Es mussten von vornherein besondere Vorkehrungen für Unterkünfte der vielen Arbeiter getroffen werden.
1888 kamen die ersten Arbeiter aus Polen, Oberschlesien, Italien, Dänemark, Schweden und Russland. Sie wurden in Wohnbaracken für 50 bis 100 Arbeiter untergebracht. Zur Unterbringung wurden an 12 Orten Baracken aufgestellt. Der Höchststand der Arbeiter lag im Jahr 1892 bei 8.900 Arbeiter.
Für Unterkunft und Verpflegung musste jeder Arbeiter 65 Pfennig bezahlen. Es wurde genau festgesetzt wie viel Gramm Fleisch jedem Arbeiter zustand (170 g) , knochenfrei pro Tag.
Ein Arbeiter bekam für einen 12 - Stunden - Tag 2,50 bis 3,00 Mark. Es gab auch Lagerkantinen für Nahrungs- und Genussmittel. Für 250 g Wurst musste man 15 Pfennig, eine 200-g-Semmel 9 Pfennig und 0,75 l Braunbier 8 Pfennig bezahlen.
In Burg und bei Hanerau gab es ein Barackenlazarett mit 20 Betten. Gearbeitet wurde mit Schaufel, Spaten und Schubkarren, mit Trockenbaggern und Loren. Die zu bewegende Erde betrug 80 Mill. m³  -  für die Schleusen brauchte man 130.000 m³ Betonmaterial.

Eröffnung
20 Juni 1895 fand die Eröffnungsfeier in Kiel statt. Der erste Schiffskonvoi kam von Brunsbüttel.
Die Menschen, die das Durchfahren sehen wollten, mussten schon nachts um 2 Uhr ihre Plätze einnehmen. Um 3.30 Uhr lief die Kaiserjacht „Hohenzollern“ mit dem Monarchen und vier Prinzen an Bord in der Alten Schleuse ein. Nach der Durchschleusung um 4.15 Uhr durchschnitt die „Hohenzollern“ eine gespannte Kordel über den Kanal.
Es waren noch 22 andere Paradeschiffe dabei, davon 14 Einheiten anderer Seefahrtnationen.

Nord - Ostsee - Kanal in Zahlen
Länge:   98,673 km;
Breite in der Sohle:  90 m;
Wassertiefe:   11 m;
Tiefgang bis 9,5 m für Schiffe bis zu einer Länge von 235 m;
Höchstgeschwindigkeit: 15 km/h, für größere Schiffe 12 km/h

Schleusen
Brunsbüttel: 
Alte Schleuse, 125 m lang, 22 m breit, Füllung durch 2 Seitenkanäle mit 12 Stichkanälen. Schleusenzeit 30 Minuten.
Holtenau:  Daten wie oben.

Neue Schleusen Brunsbüttel und Holtenau:
Länge 310 m, Breite 42 m, Schiebetore, je Kammer 3 Tore.
Füllung in Brunsbüttel durch Torumläufe, in Holtenau durch 2 Seitenkanäle mit je 29 Stichkanälen.
Schleusenzeit: 45 Minuten.

Sehenswürdigkeiten:

Brunsbüttel

o Blick auf die Schleusen, die den Kanal gegen den wechselnden Wasserstand der Elbe abschließen.
o Straßenhochbrücke
o Fähre Hochdonn

Rendsburg  -  Industrie- und Hafenstadt am Nord - Ostsee - Kanal

o Eindrucksvolle Naturlandschaft und beliebtes Ausflugsziel Audorf / Rade mit Autobahnhochbrücke.
o Findlingsbauten, Kirchen und Denkmäler speziell bei Sehestedt.
o Holtenauer Hochbrücke.
o Die Mündung des Nord - Ostsee - Kanals in die Kieler Förde durch zwei Schleusenpaare.
o Einzigartige Naturlandschaft.
o Verschiedene Straßen- und Eisenbahnhochbrücken.
o Lotsenstation Nübbel, wo die Lotsen aus Holtenau und Brunsbüttel einander ablösen.
o Eisenbahnhochbrücke mit Schwebefähre bei Rendsburg.
Rendsburg kann seinen Gästen noch eine echte Besonderheit bieten.
Am nördlichen Kanalufer befindet sich übrigens die längste Sitzbank der Welt, genau 501,35 Meter. Diese längste Bank der Welt ist im Guinessbuch der Rekorde eingetragen.

Kanalgeburtstag
Am 21. Juni 1895 hatte Kaiser Wilhelm II. den  Nord - Ostsee - Kanal in Kiel - Holtenau eröffnet.
Genau 100 Jahre später, zum 100 - jährigen Geburtstag 1995, rückte der Kanal wieder ins öffentliche Bewusstsein. Überall in den Gemeinden am Kanal wurde gefeiert.  Höhepunkt bildete ein Korso aus 50 Schiffen, an der Spitz das Segelschulschiff der Deutschen Marine „Gorch Fock“ mit dem Bundespräsidenten an Bord.

 

Größtes Schiff
Am 15. Mai 1998 befuhr erstmals die „Norwegian Dream“, das bis dahin größte Schiff, den Kanal. Begleitet wurde das Schiff von zahlreichen winkenden „Sehleuten“ am Kanalufer. Die „Norwegian Dream“ muss den Mast und Schornstein kippen, um die Brücken passieren zu können. Der Mast und Schornstein werden hydraulisch gekippt.
Die Fahrt durch den Kanal ist nicht kostenlos. Die „Norwegian Dream“ muss für eine Durchfahrt ca. 7.8900 Euro zahlen.
Ein paar Zahlen zum Schiff:
Länge: 232,40 m
Breite:    22,40 m
Tiefgang:     6,60 m
BRZ:    50.760    (größer als die „Titanic“)

Brücken
Straßenhochbrücke Brunsbüttel  - 6,123 - B 5 - Länge 2.826 m - erbaut 1979/83 - Stahlbau - 5.000 t.
Eisenbahnhochbrücke Hochdonn - 18.778 - Länge 2.218 m - erbaut 1915/20 - Stahlbau - 14.900 t.
Autobahnhochbrücke Hohenhörn - 24.882 - A 23 - Länge 390 m - erbaut 1985/89 - Stahlbau - 4.200 t.
Eisenbahn- und Straßenhochbrücke Grünental  - Kanal-km 31,115 - B 204 - Länge 405 m - erbaut 1983/86 - Stahlbau - 3.600 t.
Eisenbahnhochbrücke Rendsburg  - 62,664 - Löänge 2.486 m - erbaut 1911/13 - Stahlbau - 17.740 t.
Autobahnhochbrücke Rade - 68,114 - A 7 - Länge 1.498 m - erbaut 1969/72 - Stahlbau - 14.000 t.
2. Straßenhochbrücke Levensau  -  93,581 - B 76 - Länge 365 m - erbaut 1980/83 - Stahlbau - 4.310 t.
1. Straßenhochbrücke Holtenau  -  93,589 - B 503 - Länge 445 m - erbaut 1992/95 - Stahlbau7 - 3.659 t.
2. Straßenhochbrücke Holtenau  -  96,623 - B 503 - Länge 518 m - erbaut 1969/72 - Stahlbau - 3.380 t.

Alte Hochbrücke Levensau
Am 24. Juni 1893 war die Grundsteinlegung für die Levensauer Hochbrücke, dem Lieblingskind des Kaisers. Auf seinen Wunsch wurde die Levensauer Hochbrücke gebaut. Die Grundsteinlegung nahm Kaiser Wilhelm II selbst vor.
Die Brücke wird auf der West- und Ostseite durch ein Wappenschild geschmückt, die aus einem Relief in Sandstein gearbeiteten Reichsadlern bestehen.
Das Wappen ist jetzt in der Alten Schleuse in Brunsbüttel aufgestellt.
In der Kanalhochbrücke Levensau halten mehrere tausend Abendsegler, eine seltene Fledermausart, ihren Winterschlaf. Die Dehnungsfugen der Levensauer Hochbrücke sind über 80 bis 1,50 m tief. Es ist somit das größte bekannte Fledermausquartier in Mitteleuropa.

Eisenbahnhochbrücke Rendsburg 
Erbaut wurde die Hochbrücke 1911 - 1913 von Dr. h.c. Friedrich Voß, der auch weitere Kanalbrücken baute. Sie war zur Zeit der Fertigstellung ein bautechnisches Wunderwerk und ist heute ein technisches Denkmal.
Baukosten:  13,4 Millionen Goldmark;
Länge:  2.487 m, eigentliche Kanalbrücke 317 m;
Höhe gesamt: 68 m, lichte Höhe: 42 m, Gewicht: 17.740 t Stahl; 3,2 Millionen Nieten und ca. 100.000 kg Farbe wurden verarbeitet.

Straßentunnel Rendsburg    
Bei Kanal-Kilometer 60 gibt´s noch eine Besonderheit, die man allerdings vom Schiff aus kaum sieht.
Hier unterquert die  B  503 den NOK.
Seine Länge  beträgt insgesamt 1.278 m,  die geschlossene Tunnelstrecke  640 m.  Erbaut  wurde der Tunnel zwischen 1957  und 1961. Er liegt zwischen 14,55 m und  20,15 m unter dem Wasserspiegel.
Der Fußgängertunnel wurde 1962 bis 1965 erbaut. In einer Röhre von 130 m Länge und einem Durchmesser von 4,50 m können Fußgänger und Radfahrer kreuzungsfrei queren

Fähren
Der Nord - Ostsee - Kanal ist eine künstliche Wasserstraße, durch ihren Bau wurden Dörfer und Landstraßen getrennt. Die großen Straßen- und Schienenwege werden durch Brücken, die kleineren Straßen und Wege mit Fähren verbunden. So sind 14 Fähren im Einsatz, die Tag und  Nacht Autos, Fahrräder und Fußgänger, aufgrund einer kaiserlichen Verordnung kostenlos von einem zum anderen Ufer befördern. Eine Fähre hat eine Ladekapazität von 45 t und befördert 8 Pkw oder zwei große Lkw sowie Fußgänger und Radfahrer.
Die Fähre „Memel“ kann im Bedarfsfall auch als Feuerlöschboot eingesetzt werden.

Fähren   Kanal - km  Straßen-Nr.

Brunsbüttel     2,100         -
Ostermoor     4.365  L  138
Kudensee     7,404  L  276
Burg    14,847  L  135
Hochdonn   19.078  B  431
Hohenhörn   24.030  L  132
Fischerhütte   35,600  L  131
Oldenbüttel   41,150  L  308
Breiholz   49,945  L  126
Rendsburg   62,664  Schwebefähre  42 t
Nobiskrug   65,311  L  047
Sehestedt   75,331  L  293
Landwehr   86,775  L  194
Kiel - Holtenau  97,323  25  Personen

Kettenfähre Fischerhütte
Ausrangierte Schiffe werden abgewrackt, die Kettenfähre „SF 80“ wurde 1991 außer Dienst gestellt und an Land gehievt.
Die „SF 80“ war die letzte im Einsatz befindliche Kettenfähre. Heute sind alle Fähren freifahrend.
Die Fähren befördern jährlich ca. 5,5 Millionen Fahrzeuge über den Nord - Ostsee – Kanal,
die Schwebefähre in Rendsburg bringt es auf  ca. 170.000 Fahrzeuge.
Durch den Straßentunnel in Rendsburg rollen pro Jahr ca. 16. Millionen Fahrzeuge.

Schiffsverkehr
Der Nord - Ostsee - Kanal ist die meistbefahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Welt. Im Jahr befahren ca. 35.000 Schiffe und ca. 16.000 Sport- und Kleinfahrzeuge den Kanal.
Zum Vergleich: Panama - Kanal ca. 12.500 und Suez - Kanal ca. 13.000 Schiffe.

Weichen
Bezeichnung   Kanal-km

Binnenhafen Brunsbüttel    1,900
Kudensee      8,870
Dückerswisch               20,800
Fischerhütte    34,280
Oldenbüttel    39,968
Breiholz    47,860
Schülp                56,417
Audorf -Rade               66,093
Königsförde    79,259
Groß - Nordsee   84,377
Schwartenbek               91,830
Binnenhafen Holtenau  95,150

Die Schiffe sind in Gruppen von 1 bis 6 eingeteilt, wird die Zahl 6 überschritten, muss das kleinere Schiff in die Weiche. Die Einfahrt in das Weichengebiet wird durch Lichter am Signalmast gezeigt.

Lotsenstation „Rüsterbergen“
Die Lotsen haben alle das Kapitänspatent AG (große Fahrt). Auf dem ganzen Kanal von Brunsbüttel bis Kiel - Holtenau sind ca. 350 Lotsen tätig.
Aufgabe des Lotsen ist es, die Schiffe der Verkehrsgruppe 2 bis 6 sicher durch den Kanal zu bringen. Meistens sind auch zwei Kanalsteuerer an Bord, ausgebildete Nautiker mit Patent, die sich abwechseln, weil die Arbeit viel Konzentration verlangt.
Bei der Lotsenstation Rüsterbergen kann man den Wechsel der Lotsen gut beobachten.

Fische
Der Fischreichtum im Kanal ist sehr groß, man kann sehr viele Amateurangler am Ufer sehen.
Der Hering kommt von der Ostsee in den Kanal zum Laichen. Außer Hering fängt man noch Barsch, Karpfen, Aal, Plattfische und Weißfisch. In den großen und kleinen Seen fängt man Barsch, Brassen, Hecht, Karpfen, Schlei und Zander. Nicht vergessen: Zum Angeln braucht man einen Erlaubnisschein.

Schiffsbegrüßung in Rendsburg
Direkt an der Schwebefähre beim Restaurant „BRÜCKEN - TERRASSEN“ werden die vorbeifahrenden Schiffe mit freundlichem Gruß und ihrer Nationalhymne empfangen. Wie in Hamburg-Schulau. Ein paar Informationen zum Schiff und Fahrt gibt es auch. Angekündigt werden Schiffe aus Richtung Holtenau und Brunsbüttel.
Selbstverständlich wird auch in Rendsburg kurz die Flagge heruntergezogen. Dieses „Dippen“ ist ein internationaler Gruß der Seefahrt.                                        


Weiter mit Ostkurs
Danzig bei Nacht. 50 Container oder 1000 Tonnen werden gelöscht. Das Deckshaus erzittert jedes Mal, wenn die Blechkisten polternd aus ihren Halterungen gezerrt oder abgesenkt werden. An Schlaf ist kaum zu denken. Plötzlich schrillt das Bordtelefon neben der Koje. Schreck und Überraschung: Am anderen Ende der Leitung trällern – wie sich am Morgen herausstellt auch bei zwei anderen Mitfahrern -  weibliche Stimmen, erst Polnisch, dann Englisch. Ob man denn nicht gemeinsam etwas Spaß möchte... Grundsätzlich nichts dagegen, bleibt aber die Frage: Wie hat das passieren können? Trotz Gangway-Wache, verriegelter Aussen- und Innentüren. Im Kontrollhäuschen auf der Pier brennt nur eine müde Funzel. Der Wachmann döst anscheinend. Die beiden Euro-hungrigen „Dockschwalben“ sind ungehindert an Bord gestelzt. Von der Messe aus haben sie dann versucht, telefonisch Kunden zu einem „One-night-stand“ zu animieren. Ein Matrose findet nichts dabei: „Warum sollen wir  uns  nicht auch mal vergnügen? Die Mädels sind hier bekannt.“ „Wie zu guten, alten Zeiten“, schmunzelt ein Mitpassagier. 

Stolz, Heimweh und „dowi dzenja!“
In drei Stunden erkunden wir „stare miasto“, die historische Altstadt, mit Aufstieg zum Turm der Marienkirche, weitem Blick über die einst freie Stadt, Langgasse, Krantor, Marienstraße mit ihren charakteristischen Beyschlägen und das Patrizierhaus, in dem der Grass-Film „Die Blechtrommel“ gedreht wurde.
Unter dem Grünen Tor treffen wir Franz-Günter Masa. „Ich bin einer der letzten Deutschen in der Freistadt“, betont der 76-Jährige stolz. Er war blutjunger Wehrmachts-Soldat. „Bis heute lässt man mich das spüren“, meint er verbittert, „aber die Heimat wollte ich trotz aller Leiden nicht verlassen“. Seinen breiten westpreussischen Dialekt hat er sich bewahrt. Über die beiden „Eurochen“ hat er sich gefreut. Mit 200 davon muss der Rentner monatlich auskommen.   
An diesem 1. September wird in Polen an den Kriegsbeginn vor 65 Jahren erinnert, als die Westerplatte, die wir passieren, vom Linienschiff „Schleswig-Holstein“ beschossen und die Polnische Post verteidigt wurde. Heute pilgern Busladungen ergrauter Heimweh-Touristen durch die anheimelnden mittelalterlichen Gassen.
Zurück am Hafen-Schlagbaum, genügt ein freundliches „dowi dzenja!“ – „Auf Wiedersehen!“, um an Bord zu gehen.

„Njet!“ mit Ausstrahlung
MS „OOCL Nevskiy“ nimmt Kurs auf Sankt Petersburg. 32 Stunden rollen wir durch die bewegte Ostsee bis an die Newa. Um vier Uhr früh – Morgenstund´ ist aller Laster Anfang! – kommen die russischen Uniformierten von „Horch und Guck“ an Bord. Kapitän Mark Drevin legt ihnen die Papiere vor. Sie vergleichen penibel Crew-Liste und Seefahrtsbücher. Meins akzeptieren sie nicht: „Njet!“ Angeblich ist es zu alt, obwohl es als Sozialversicherungsnachweis nie seine zeitliche Gültigkeit verliert. Mein Pass hingegen ist „karacho“ – gut, das Visum allerdings gerade abgelaufen. Die steifen Herren machen, trotz langer, zäher Verhandlungen, keine Ausnahme. Der Landgang der „Nevskiy“-Fahrer zum Nevskiy-Prospekt fällt flach. Nur in dieser Hinsicht schauen wir etwas neidisch hinüber zu den  fünf großen Kreuzfahrtschiffen. Deren Passagiere haben es leichter in Russland. Mit einem gebuchten Landausflugsticket werden sie in die Zaren-Stadt gekarrt. Bleiben uns nur ein paar Runden durch die haushohen Blech-Gebirge, vorbei an Eisbrechern in Sommerruhe. In einem abgelegen Teil des Terminals werden wir ungehindert Zeugen, als Atommüll in Container verladen wird. Die gelben Warndreiecke sind nicht zu übersehen. Feuerwehr und Militär stehen in Bereitschaft. Nur die Sonne überstrahlt diese schaurige Szenerie.
„Bei den strengen Personen-Kontrollen am Tor hat sich seit Sowjetzeiten nichts geändert“, weiß Erster Offizier Laurentiu Lenu aus eigener Anschauung, „so was wie ISPS gab´s hier schon immer“. Der Rumäne kann auch auf leidvolle Erfahrungen aus seiner Heimat verweisen.

Pilze und Badevergnügen
Acht Fahrtstunden weiter. „OOCL Nevskiy“ macht im südfinnischen Hamina fest. Nach dem russischen Totalausfall zieht es uns um so mehr an Land. Das Schärenmeer glitzert im spätsommerlichen Sonnenschein. Wir stiefeln los, immer an einem übermannshohen Zaun entlang. „24 Stunden kameraüberwacht“, verkünden Schilder scheinbar abschreckend. Bis sich mitten im Wald eine bequeme Lücke auftut. Zahlreiche Fußspuren zeugen von häufiger Benutzung. Gleich dahinter leuchten dottergelbe Pfifferlinge aus dem  Moos. Männlicher Sammeltrieb wird in uns entfacht. Im Nu ist eine Tüte voll. Smutje Arnold Bonus wird sie zum Abendbrot servieren.
Aus dem Gelände führt, direkt am Ostseeufer entlang, eine Eisenbahnstrecke. Wie Streckenläufer tippeln wir über die Schwellen und sind bald wieder in zaunloser Freiheit. Der kleine Strand im Schilf verlockt zum Baden.

Hansestädtisches Ensemble Tallinn
Der Helsinki-Landgang fällt aus wegen nächtlicher und zu kurzer Liegezeit. Auf der gegenüber liegenden Seite des Finnischen Meerbusens laufen wir noch in dieser Nacht die estnische Metropole Tallinn an. Per Taxi steuern wir das unter UNESCO Schutz stehende historische Zentrum an. Ein hansestädtisches Ensemble aus Kulturdenkmälern, dessen Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Auch bei schlechtem Wetter hätte es nichts von seinem Charme verloren.
Ein Tipp am Rande: Unbedingt einkehren sollte man in der Mittelalter-Gaststätte „Olde Hanse“ in der Vana turg 1. Süffiges Honigbier und frisches Brot zur Pilzsuppe sind ein Gedicht! Da kann man sich bei passender Live-Musik die Hanse-Zeit auf der Zunge zergehen lassen.
Nach 2100 Seemeilen und zehn Tagen laufen wir wieder in die Holtenauer Schleuse ein. In Hamburg heißt es für uns: Ende einer spannenden Reise.

                                                                                                          
Info:
Auf den beiden sehr gepflegten Containerfrachtern der Reederei Drevin kann man das ganze Jahr über als Passagier mitfahren. Die Routen führen zu unterschiedlichen Häfen in Polen, Lettland, Estland, Russland und Finnland. Acht bis zehn Tage dauert ein Rundreise ab/bis Hamburg. Die Eisfahrt im Winter hat einen besonderen Reiz.
Der Preis pro Tag und Person beträgt 52 Euro in Doppel- oder Einzelkammern mit Vollverpflegung an Bord. Auf den Schiffen kann man sich frei bewegen. Landgänge sind überall – bis auf Russland, das ein Visum verlangt –  möglich, je nach Lade-, Lösch- und Tageszeit. Es gibt zwar Fahrpläne, sie werden aber entsprechend Ladung und Wetter flexibel gehandhabt.

Buchung: direkt bei der Reederei Rainer Drevin, Franz-Rotter-Allee 48, 27474 Cuxhaven;
Tel.: 04721-554777; Fax: 04721-554779; Mobil: 0170-5337772; E-mail: RainerDrevin-Cuxhaven@ t-online.de; Homepage: reederei-drevin.de

Daten MS „OOCL Nevskiy“:
Gebaut 5/2001unter der Nummer 1190 bei der Schiffswerft J.J. Sietas, Hamburg-Neuenfelde; Typ 168; 9981 BRZ; 11.386 tdw; 868 TEU; 133,95 m lang, 22,50 m breit, 8,71 m Tiefgang, 2 Luken, 4 Räume; 1 MaK-Diesel 9M43, 8400 kW, 18,5 kn; IMO-Nummer: 923 1834

Dr. Peer Schmidt-Walther



 
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