Besondere Lebensgeschichten hinter normalen Gesichtern
„Jedes Schiff ist so gut wie seine Führung“, hat mal jemand gesagt. Eine an sich simple Aussage, hinter der jedoch weit mehr steckt.
Prädikate, die Schiffe und Menschen verdienen, lassen sich, je nach Qualität, beliebig kombinieren: mal ist das Eine gut, aber das Andere schlecht und umgekehrt. Wenn indes Beides nicht nur gut, sondern sogar exzellent ist, lässt das aufhorchen. Wie zum Beispiel auf dem Hapag-Lloyd-Kreuzfahrtschiff MS „Europa“.
Auf einer Reise rund um das Schwarze Meer sind wir dem nachgegangen, jedoch nicht etwa mit der „Kreuzfahrt-Bibel“ von Douglas Ward unterm Arm. Im Mittelpunkt steht diesmal weniger das Schiff, über das schon viel berichtet wurde, sondern die aufschlussreichen Kurzbiografien der in unterschiedlichen Positionen an Bord Verantwortlichen. Ihre hohe Qualifikation setzt Maßstäbe. Damit „Fünf Sterne plus“ das bleiben, was sie sind: eine Auszeichnung für Schiff und Crew.
An der Spitze von 270 Mitarbeitern steht wie immer der Kapitän, und der heißt während unserer Reise Friedrich Jan Akkermann. 1960 erblickte er auf der Nordseeinsel Borkum das Licht der Welt. „Von Kindesbeinen an war ich fasziniert vom Wasser und wollte unbedingt in die Fußstapfen meines Vaters treten, der Kapitän war“, erzählt der baumlange Ostfriese. Wie schon zwölf Familiengenerationen vor ihm. Nach dem Schulabschluss war es endlich soweit: Er fing bei Hapag-Lloyd mit der seemännischen Ausbildung an. „Mein erstes Schiff war mit Kurs auf die südamerikanische Westküste der Frachter „Schwabenstein“, der auch Passagiere mitnahm“.
Nach dem kombinierten Nautik- und Schiffsbetriebstechnik-Studium hatte Akkermann sowohl das Kapitäns- als auch Ingenieurs-Patent in der Tasche. Erfahrungen sammelte er als Steuermann auf der Brücke und „Chief“ im Maschinenraum.
1998 beförderte ihn seine Reederei zum Kapitän auf dem Containerschiff „Hongkong Express“.
Reizvoll waren für ihn auch die Zwischenstationen an Land: bei der Inspektion und Neubauabteilung sowie als Hafenkapitän in Malta.
„Nachdem ich im Jahr 2000 in Südkorea die Bauaufsicht bei der ´Rotterdam Express` geleitet und noch einen Containerfrachter geführt hatte, kam ich auf die ´Bremen`. Von Containern“, so Akkermann schmunzelnd, „musste ich jetzt auf Passagiere umschalten“. Das waren völlig neue Eindrücke für ihn. Die verarbeitete er jedoch so gut, dass ihm seit Sommer 2002 – im Wechsel mit seinem Kollegen Hagen Damaschke – das Kommando auf der „Europa“ übertragen wurde. „Eine Herausforderung, die mich einfach begeisterte, auch weil ich Kontakte zu Menschen mag. Abgesehen davon, dass ich jetzt Häfen kennenlerne, die normalerweise kein Containerschiff ansteuert“.
Im Urlaub geht der 1,99-Hüne verschiedenen Hobbys nach: natürlich Wassersport, aber auch Volley- und Handball sowie Radfahren. Er entspannt sich bei Tai-Chi-Übungen und Musik. Als Fotograf lichtet er am liebsten seine Ehefrau Susanne samt Kindern Caroline und Matthias ab. „Die beiden sorgen dafür, dass ich zu Hause in Schwung bleibe“, lächelt Kapitän Akkermann.
Auch Entertainment-Managerin (die ursprüngliche Bezeichnung „Kreuzfahrtdirektor“ wurde jetzt geändert) Andrea Wolf hat ihren Beruf von der Pike auf gelernt. Die gebürtige Heidelbergerin absolvierte zunächst ihre Ausbildung zur Reisebürokauffrau und avancierte dann zur Leiterin einer Hauptabteilung bei einem renommierten Unternehmen der Branche. „Mich interessierte nicht nur der kaufmännische Teil“, sagt Frau Wolf, „sondern ich begann mich auch für fremde Kulturen und Länder zu interessieren“. Das weckte bei ihr Fernweh und die Lust am Reisen.
Nach verschiedenen Auslandsaufenthalten und Jobs als Hostess und TV-Moderatorin zog es sie an Bord und sie startete ihre maritime Karriere als Reiseleiterin: „Damit stand mein endgültiger Berufswunsch fest“. Sie bewarb sich bei Hapag-Lloyd und stieg ab 1980 als Reisebegleiterin auf MS „Europa“ (IV) ein. Nächste Stufen auf ihrer Erfolgsleiter: Leiterin Touristik auf MS „Europa“ (V) und ab 1999 schließlich als Cruise-Direktorin verantwortlich für die Programmgestaltung. Dabei wird sie von 25 Mitarbeitern unterstützt.
Befragt, wie sie am liebsten ihre Freizeit verbringt, verrät die immer freundliche und lebendige Frau: „Mit Reisen, Lesen und dem Genießen von kulinarischen Köstlichkeiten bei einem guten Glas Wein und gemeinsam mit lieben Freunden“.
Nach dem Motto „Seefahrt ist not!“ des niederdeutschen Dichters Gorch Fock alias Rudolf Kinau handelte Staff-Kapitän Christoph Bodmann aus Hannover. Mit dem Abitur in der Tasche, verpflichtete er sich 1989 für zwölf Jahre bei der Deutschen Marine. Sein Rüstzeug zum Marineoffizier erwarb er auf der Marineschule Flensburg-Mürwik, segelte mit dem Schulschiff „Gorch Fock“ und wurde schließlich auf Schnellbooten, Versorgungsschiffen und Fregatten eingesetzt.
Drei Jahre studierte er an der Bundeswehruniversität in Hamburg Erwachsenenbildung und Psychologie, ein passender Hintergrund für seine zukünftigen Aufgaben. Anschließend fuhr er mehrere Jahre als Wachoffizier auf der Fregatte „Bremen“.
Als seine Marine-Dienstzeit abgelaufen war, zog er nach Kiel. Der Wohnortwechsel war letztlich Auslöser für Bodmanns zivile Seefahrtslaufbahn: „Als ich eines Tages die ´Europa` in der Holtenauer Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals sah, war ich fasziniert von dem Schiff. Kreuzfahrten, das sollte es sein!“ Doch bevor es soweit war, hieß es Containerschiff fahren und Umlernen auf Handelsschifffahrt. Sein Traum von entlegensten Häfen ging schließlich in Erfüllung. Hapag-Lloyd stellte ihn ein als Navigations- und Sicherheitsoffizier auf den Kreuzfahrtschiffen „Hanseatic“, „Columbus“ und „Europa“. „Anspruchsvolle Seefahrt getreu dem geflügelten Kinau-Wort habe ich hier tagtäglich“, weiß Christoph Bodmann mittlerweile aus Erfahrung.
Wenn er mal wieder an der Kieler Förde ist, segelt er, radelt durch die Gegend oder wandert am Strand entlang: „Dabei kann ich dann am besten die vielen Reiseeindrücke verarbeiten“.
Hoteldirektor Josef Gruber ist waschechter Österreicher, 1955 im steiermärkischen Leoben geboren und aufgewachsen. Reiselust und Fernweh packten auch ihn schon früh, „weil ich sehen wollte, was hinter den Bergen lag“.
Doch erst mal kamen fünf Lehrjahre als Koch- und Kellner mit anschließenden Wanderjahren im In- und Ausland. Nach der Praxis büffelte er drei Jahre lang Theorie an der Wiener Hotelfachschule. In Österreich, der Schweiz, Frankreich, Deutschland und Dänemark verdiente er sich erste Sporen. 1976, als es noch wenige Kreuzfahrtschiffe gab, bekam er eine Chance bei der Norwegischen Amerika Linie (NAL). Ein hohes Renommee hatten damals die luxuriösen „Vistafjord“ und „Sagafjord“, die Gruber in diversen Management-Positionen kennenlernte. Mit Zwischenspielen auf „Sea Goddess“ und „QE 2“.
Krönung seines beruflichen Weges waren 1993/94 Lehrgänge und Examen an der „Cornell University of Hotelmanagement“. Als Hotelmanager kehrte er auf seine ersten beiden Schiffe zurück.
„Was mich jedoch besonders reizte“, gesteht Gruber, „waren Expeditionskreuzfahrten“. Hapag-Lloyd bot ihm die Gelegenheit dazu. Auf der „Hanseatic“ befuhr er mehrfach nord- und südpolare Gewässer. „Da habe ich mehr erlebt als in den zwanzig Jahren Kreuzfahrt vorher“, gesteht der Mann mit dem gezwirbelten Schnurrbart freimütig. Auch als Logistik-Planer war er für Reisen durch die Nordwest-Passage und in die Antarktis verantwortlich. „So fernab der Zivilisation und nahe an der Natur“, schwärmt Josef Gruber von unvergesslichen Zeiten, „habe ich auch viel Menschlichkeit erfahren“.
Nachdem er auf der Werft in Helsinki die Endphase der jüngsten „Europa“ mitgemacht hatte, wurde er am 17. Oktober 1999 auf „seinem“ Schiff zum Leitenden Hoteldirektor ernannt. Ihm sind die Arbeitsbereiche des F&B-Managers, also des gesamten Hotelbereichs mit Küche, Service in Bars und Restaurants, Housekeeping, der Konzessionäre, der Entertainment- und Touristik-Manager, direkt unterstellt.
Seit 21 Jahren ist er mit einer Dänin verheiratet. Sie hält mit den gemeinsamen Kindern, einer Tochter und einem Sohn, im österreichischen Admont die Stellung, während der Ehemann und Vater auf MS „Europa“ über die Weltmeere dampft.
Für das leibliche Fünf-Sterne-plus-Wohl an Bord zeichnet Chefkoch Friedrich Pichler verantwortlich. Wie Hoteldirektor Josef Gruber stammt auch er aus Österreich. 1968 erblickte er in Linz an der Donau das Licht der Welt. Im Eferdinger Hotel „Goldenes Kreuz“ nahe seiner Heimatstadt lernte er drei Jahre Koch und wanderte dann an den Arlberg und in die Schweiz.
1992 zog es ihn unwiderstehlich zur See. Zu Hapag-Lloyd stieß er 1994 und leitet seit Indienststellung der „Europa“ deren exzellente Küche. Was er und seine Kollegen tagtäglich zaubern, verdient Respekt und Bewunderung. „Frische und Qualität“, bringt er bescheiden sein Erfolgsrezept auf einen Nenner. Die Gäste sind immer wieder aufs Neue begeistert von seinen Gourmet-Kreationen, die er gemeinsam mit 46 Mitarbeitern auf die Teller bringt. Wenn sich Pichler zu Büffets an Deck begibt, um letzte Hand anzulegen, hört er die Komplimente gern: „Das ist immer wieder zusätzliche Motivation für mich, noch eins drauf zu legen". Trotz seines umfangreichen Aufgabenbereichs von der Koordination der Arbeitsabläufe und Budgets über die Kontrolle der Qualitätsstandards bis hin zur Dienstplanerstellung und Urlaubsplanung.
Hausdame Ulrike Rettig hat sozusagen immer die Seefahrt im Blick gehabt. Geboren im schleswig-holsteinischen Rendsburg, wuchs sie in Borgstedt am Nord-Ostsee-Kanal auf. „Jeder Tag Schiffe aus aller Herren Länder zu sehen, das hat mich wohl irgendwie infiziert“, begründet sie ihren späteren Schritt zur Seefahrt.
Erlernt hat sie den Beruf einer Hauswirtschafterin und vertiefte ihre Kenntnisse dann durch ein Studium der Ernährungs- und Haushaltstechnik in Trier.
Fernweh trieb sie schließlich in die USA. Im Hyatt Regency Hotel von Fort Worth in Texas absolvierte sie ihr Praktikum. Zurück über den großen Teich, war das Mercure Hotel in Hannover ihre nächste Station, wo sie zur Hotelfachfrau ausgebildet wurde und ein Jahr lang an der Rezeption tätig war.
Über verschiedene Betriebe in der Schweiz kam sie ins Londoner Hilton Hotel Heathrow. Dann verschlug es sie beruflich wieder in ihr Heimatland zwischen Nord und Ostsee: als 1. Hausdame des Hotels „Windrose“ in Wenningstedt auf Sylt.
„In einem der besten Hotels Deutschlands, dem Berliner ´Adlon`, als Hausdame zu arbeiten, war dann eine besondere Herausforderung für mich“, sagt sie nicht ohne Stolz.
Logische Fortsetzung und Höhepunkt ihrer Laufbahn war und ist es, dem Landdasein adé zu sagen und auf der „Europa“ Verantwortung zu übernehmen. Wobei sie lenkend und kontrollierend mehr im Verborgenen wirkt. Sie steht dem gesamten Kabinenbereich der „Europa“ einschließlich 48 Mitarbeitern als Entscheidungsträgerin vor, wie es in der Stellenbeschreibung knapp formuliert ist. Ihre Ausbildung, Kompetenz und Erfahrung sichern einen hohen Standard.
Obwohl bei der königlichen Luftwaffe gedient, ist Concierge Gunnar Hauglid ganz eng dem Wasser verbunden. Die Familie des in Bergen geborenen Norwegers lebt auf der Insel Stord an der Mündung des Hardangerfjords. So lag es nahe, dass er – entsprechend seinem Berufswunsch – in Fjord- und Gebirgshotels anfing zu arbeiten. In Diensten einer Cateringsfirma lernte er sogar die extreme Welt auf Bohrinseln in der Nordsee kennen.
Nach dem Abschluss an der Fachhochschule Lillehammer organisierte und verkaufte er von 1981 bis 1988 Reisen nach Skandinavien bei Waldemar Fast in Hamburg.
Kurz darauf heuerte als Rezeptionist und später Concierge auf der „Norway“ an. Seine damalige Reederei Kloster Cruise bot ihm auch Entwicklungsmöglichkeiten auf „Royal Viking Star“ und „Royal Viking Sea“. Als die 1991 den Besitzer wechselten, ging er an Land zu Hanseatic Tours. Fortan plante er anspruchsvolle Landprogramme für die „Hanseatic Renaissance“, „Bremen“, „Sea Cloud“ und „Hanseatic“. Als seine Firma an Hapag-Lloyd verkauft wurde, wurde er zuständig für die Ausflugsprogramme der „Europa“.
Als während der Planungsphase des Schiffes die Position eines Concierge eingeführt werden sollte, bewarb sich Gunnar Hauglid dafür – und fuhr seit der Jungfernreise wieder zur See. Aus der Liste seiner Zuständigkeiten sollen nur ein paar herausgegriffen werden: Organisation privater Landgänge, individuelle Arrangements, Annahme und Bearbeitung von Beschwerden, Dolmetscherdienste, besondere Betreuung der Suiten-Passagiere usw.
Seine Urlaubszeit ist stets ausgefüllt mit diversen Aktivitäten: Neben Lesen und Reisen läuft er Marathon. Aber er ist auch ein Fan von klassischer Musik. Nicht nur als Hörer, sondern auch als Tenor des Hamburger Opernchors in Opern, Operetten und Konzerten. „Die zwölf Aufführungen pro Jahr schaffe ich jetzt natürlich nicht mehr“, bedauert der blonde Skandinavier, der sich in seinem Wohnort Hamburg-Eppendorf sehr wohlfühlt.
Christa Wesemann fährt als Kreuzfahrtberaterin auf MS „Europa“. 1969 startete sie ihre landseitige Schifffahrtslaufbahn beim Passagierdienst des Norddeutschen Lloyd. Zuständig war sie für den Nordatlantikverkehr. Damals dampfte noch die „Bremen“ regelmäßig von Bremerhaven nach New York.
Als die Route 1971 mit der Fusion von Hapag und Lloyd eingestellt wurde, zeichnete sich ein Aufwärtstrend im Kreuzfahrtgeschäft ab. Sie wurde „Planführerin“ und verkaufte Kreuzfahrten per Telefon an die Reisebüros. Daneben erstellte sie auch sämtliche Reiseunterlagen bis zur Abfahrt eines Schiffes. „Das hat mir sehr viel Spaß gemacht“, gesteht die gebürtige Nidersächsin aus Diepholz bei Bremen.
Als die Kreuzfahrtabteilung von Bremen nach Hamburg verlegt wurde, entschied sie sich dafür, in Zukunft an Bord der „Europa“ zu arbeiten. Während zahlreicher Reisen rund um die Welt hat sie die verschiedensten Destinationen ausgiebig kennen gelernt. Ihr professioneller Rat, der auf eigener Anschauung basiert, gilt als äußerst fundiert.
An Bord informiert sie über die gesamte Hapag-Lloyd-Kreuzfahrten-Palette und verkauft Reisen mit einem attraktiven On-board-booking-Bonus von drei Prozent.
Sie betreut auch Agenten- und Pressegruppen, unterstützt das Touristik-Team bei Ausflügen, leistet Hilfe bei Ein- und Ausschiffungen, führt die Korrespondenz für den Kapitän und arbeitet eng mit der Hostess zusammen.
Schiffsarzt Prof. Dr. Georg Neumann wurde 1940 in Schlesien geboren. Nach der Flucht wuchs er im niedersächsischen Walsrode auf. Er studierte Medizin in Hamburg. „Nicht nur als Hobby-Segler“, so Neumann, „hat mich schon immer alles rund ums Wasser fasziniert“. Diese Leidenschaft schlug sich auch in seiner Promotion nieder, die spezielle Taucherkrankheiten zum Thema hatte.
1976 habilitierte er mit Untersuchungen zur „rekonstruktiven Chirurgie des Kehlkopfes“ und wurde 1984 zum Professor an der Universität Hamburg berufen.
„Doc Neumann“, wie er an Bord nur kurz genannt wird, hat sich als Arzt spezialisiert auf Rettungs- und Tauchmedizin, HNO sowie plastische Chirurgie. Seit 1978 ist er Chefarzt am Marienkrankenhaus in Hamburg.
Seit 2001 fährt er regelmäßig Einsätze als Bord-Arzt, vor allem auf Hapag-Lloyd-Kreuzfahrtschiffen, seit 2001 auf der „Europa“, seinem Lieblingsschiff.
Bei ihm sind die Passagiere in besten Händen, denn „die Vielseitigkeit der Ausbildung kommt mir dabei zu Gute“, erklärt der kontaktfreudige Doc, „auf See muss man im Ernstfall eben fast alles können“. Eine Krankenschwester steht ihm dabei zur Seite.
Die Neigung von Britta Anlauf, der Leiterin Touristik, zur See zu fahren, entwickelte sich aus ihrem beruflichen Werdegang. Auch ihr Geburtsort Hamburg, wo sie auch aufwuchs, spielte dabei eine Rolle.
Nach dem Abitur studierte sie Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsakademie in ihrer Heimatstadt. Doch nicht genug damit: Parallel dazu durchlief sie eine Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau bei der Hapag-Lloyd AG, die sie anschließend nach Paris schickte. Bei Hapag-Lloyd France war sie eineinhalb Jahre verantwortlich für die Preispolitik der Containertransporte von Frankreich zur Iberischen Halbinsel und nach Nordamerika. 1999, nach viereinhalb Jahren, zog es sie wieder nach Hamburg. Übergangsweise arbeitete sie bei einem amerikanischen Industieunternehmen als Management-Assistentin im Geschäftsbereich Europa.
„Doch es zog mich magisch zur Kreuzfahrt“, erklärt sie, „und ich übernahm für ein halbes Jahr den touristischen Bereich auf einem Vier-Sterne-Flussschiff in Frankreich“.
Weil Britta Anlauf Privat- und Berufsleben in Einklang bringen wollte, ging sie zurück nach Hamburg und fand im renommierten Hotel „Atlantik“ einen Job als Sales Manager.
Schließlich lernte sie im Hapag-Lloyd-Verkaufscenter für Luxusreisen eine Menge über die komplizierten Planungsabläufe an Land. „Doch ich wollte unbedingt auf große Fahrt, bis ich im Dezember 1999 endlich auf der ´Europa` einsteigen und zu meiner ersten Weltreise starten konnte“.
„Schon als Kind interessierte ich mich für fremde Länder und Kulturen“, sagt Hostess Elisabeth Kochskaemper mit leuchtenden Augen. Ihr Weg war damit vorgezeichnet. Nach dem Schulabschluss absolvierte die gebürtige Augsburgerin eine klassische Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau.
Die Heirat verschlug sie für einige Jahre nach Norddeutschland, bis sie aus beruflichen Gründen wieder nach Bayern zurückkehrte. Beim ADAC in München wurde ihr die Bereichsleitung „Kongress Service und Incentive“ übertragen. Mit 15 Jahren Erfahrung auf diesem Sektor kam sie zur Lufthansa. Sie organisierte Kongress-, Incentive- und Gruppenreisen für bis zu 5000 Teilnehmer. Als sie dann noch sechs Jahre das Lufthansa-City-Center in München geleitet hatte, bekam sie das Angebot von Hapag-Lloyd, als Hostess auf einem Kreuzfahrtschiff zu arbeiten. „Ich war so begeistert von der Idee, dass ich mich entschloss, zur See zu fahren“, strahlt sie. Zuerst war es die „Hanseatic“, seit März 2002 ist es die „Europa“, auf der sie sich um eine intensive Betreuung der Gäste kümmert, konkret: Sie organisiert Veranstaltungen wie Spiele, Singletreffen, Ausflugsbegleitung, Kinderaktivitäten oder private Feiern, führt die tägliche „Hostessen-Ecke“ durch, hat die Bordbücherei unter sich und ist bei allen Veranstaltungen präsent.
„Auch privat reise ich oft und gern“, gesteht Elisabeth Kochskaemper. Skilaufen, Lesen und die arabische Sprache und Kultur sind ihre weiteren Passionen.
F & B-Manager Serhan Güven, bis vor kurzem noch Maitre d´Hotel, wurde 1973 in Alfeld an der Leine geboren. Seine beruflichen Stationen: Ausbildung zum Hotelfachmann im Kurort Grünenplan bei „Lampes Hotel“ in Verbindung mit dem Besuch der Fachschule für das Hotelgewerbe. Weitere Praxis im „Interconti“ Hannover und bei der „Maritim“-Kette.
„Doch meine Zukunft lag auf dem Wasser“, weiß Serhan Güven heute, „doch ich musste wieder ganz unten anfangen – als Steward auf der ´Berlin` 1994. Aber schon ein Jahr später ging es steil aufwärts. Seine erste Reise auf der „Hanseatic“ trat er als stellvertretender Maitre d´Hotel an. Auf der „Bremen“ avancierte Güven zum „Meister“. Mit 23 Jahren war er der jüngste Maitre d´Hotel der Hapag-Lloyd-Flotte. Wieder zurück auf der „Hanseatic“, fuhr er dort bis zum Jahre 2000 als Haupt-Maitre d` und anschließend – mit „Columbus“-Hoteldirektor-Zwischenspiel – auf MS „Europa“. „Das ist eine enorme Herausforderung für mich gewesen“, sagt Güven nicht ohne Stolz auf seine Leistungen.
Auch andere Persönlichkeiten haben sich während der 1755-Seemeilen-Reise mit verschiedenen Aktivitäten um die Gäste gekümmert: RTL-Moderatorin Birgit Gräfin von Bentzel, Pianist Bernd Schäfer, Geigerin Elisabeth Weber, Bariton Vladimir Glushchak, Sängerin Nicole Mühle, Schauspielerin und Autorin Renan Demirkan, Lektor Gerrit Aust, Maler und Galerist Frank Mutters, Personal-Trainerin Silvia Schmid, Golfpro Christian Lüdemann, Kulturmanager Andreas Thenhaus und Bordgeistlicher Joachim Christoph.
Dazu kommen die Mitarbeiter von vier Pachtbetrieben: drei in der Boutique, zwei Fotografen, sieben im Beauty & Spa und zwei Videoteam-Filmer.
Dr. Peer Schmidt-Walther