Unsere Reise beginnt in Vancouver. Nicht von ungefähr ist die Stadt einer der beliebtesten Wohnorte in Kanada. Einmalig ist die Lage zwischen den schneebedeckten Bergen und dem Pazifik. Da die Stadt ist ein wichtiges Zentrum im Handel mit Asien ist, ist es nicht verwunderlich, dass Vancouver die Heimat Tausender Chinesen wurde, als Hongkong an China zurückgegeben wurde.

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 Di Infinity. Foto: Mike Dojel
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Ihre Läden und Märkte rund um die Powell Street sind eine Fundgrube für Gewürze und allerlei exotische Lebensmittel. Der richtige Ort, um sich nach einem langen Flug zu erholen, ist Granville. Früher ein Teil des Hafenviertels, wurde es liebevoll restauriert. Unzählige Restaurants locken mit ihren Angeboten, besonders Fischgerichte und Langusten, den durch die Gassen bummelnden Spaziergänger. Ein Hort der Ruhe und Erholung ist der größte Stadtpark Nordamerikas, der Stanley Park. Hier stehen noch Reste des einst riesigen Regenwaldes. Eindrucksvoll ragen Jahrhunderte alte Baumriesen in den Himmel. Sie standen schon hier, als das Land noch den Bären und Wölfen gehörte. Ihre bis zu 6 m dicken Stämme haben so manchem Sturm standgehalten. Mit Blick auf die Skyline von Vancouver wird hier Golf oder Tennis gespielt, oder einfach nur am Strand gefaulenzt. Mitten im Park sind Totempfähle aufgestellt, um an die Geschichte der Indianer zu erinnern.

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 Die Landschaft vom Deck aus genießen. Foto: Mike Dojel
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Unser Hotel auf See - die Infinity
Am Canada Place, dessen Architektur von den Zelten der Indianer inspiriert wurde, liegen die Kreuzfahrtschiffe der verschiedenen Gesellschaften. Ein Schiff größer als das andere. Es herrscht ein regelrechtes Gedränge, denn Kreuzfahrten nach Alaska sind so beliebt wie nie zuvor. Vom Meer her die Gletscher zu sehen, eine unberührte Natur zu erleben und auf historischen Pfaden den Goldgräbern nachzugehen, lockt mehr und mehr Touristen in die Orte an Alaskas Küsten. Unser Schiff, eher schon eine kleine Stadt, ist für die nächsten elf Tage die Infinity*****. Von der Größe und den Dimensionen des Schiffes überwältigt, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Schon der marmorne Eingangsbereich nimmt jeden gefangen. Aber schnell verliert man Berührungsängste. Die Kabinen sind schnell gefunden, schnell fühlt man sich in der komfortablen und modernen Umgebung heimisch. In der Zwischenzeit hat die Infinity unbemerkt die Pier verlassen. Dank moderner Gasturbinen, verläuft das Ablegen geräuschlos. Kein Zittern oder Vibrieren – nur plötzlich werden die Hafenanlagen kleiner. Wir nehmen Kurs auf die Inside-Passage.
Einsame Buchten und bewaldete Inseln
Die Route führt entlang des schmalen Küstenstreifens, begrenzt durch die hohen Berge auf dem Festland und den vorgelagerten Inseln. Sie sind von üppiger Vegetation bedeckt und schützen die Passage vor den Stürmen. Die Landschaft wurde geprägt, als sich die mächtigen Gletscher der Eiszeit zurückbildeten. Der Pazifik füllte die tiefen Fjorde aus, es bildeten sich einsame Buchten. Unberührte Natur, soweit das Auge reicht. Mit Nadelwald bewachsene Berge säumen den Kanal. Vom Hauptverkehrsweg der Fischehrboote, Fähren und Kreuzfahrtschiffe, immerhin 1000 Meilen lang, zweigen kleine Wasserwege ab. Sie verschwinden im Nirgendwo der endlosen Weite. Die wenigen Menschen, die in dieser Einsamkeit zu Hause sind, leben vom und mit dem Meer. In kleinen Fischerbooten gehen sie ihrer Arbeit nach, denn das Meer ist reich an Fisch, Krabben und Langusten.

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 Ankunft in Ketchikan. Foto: Mike Dojel
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Ketchikan nach dem Goldrausch
Die Stadt verdankt ihre Existenz dem Goldrausch vor ca. 120 Jahren. Wie viele Siedlungen entlang der Inside-Passage ist sie nur per Flugzeug oder Schiff zu erreichen. Erbaut wurde Ketchikan im typischen Stil der Küstenorte: auf Pfählen stehen die Docks und Lagerhäuser, dann die Hauptstraße mit den Geschäften, die nach einigen Kilometern in der Wildnis endet. Was oft als Straße bezeichnet wird, ist eine Treppe, denn die bunten Holzhäuser ziehen sich die bewaldeten Berge hinauf. Heute lebt die Stadt immer noch vom Fisch und Holz und vom – Tourismus.
Ankunft in Ketchikan
Früh am Morgen macht die Infinity in Ketchikan fest. Und alle sind da: Taxifahrer, Fremdenführer, Piloten der Wasserflugzeuge und die Kapitäne der Charterboote. Alle stürzen sich mit einem „smile“ in die Schlacht um den Dollar. Auch die Souvenirläden sind schon geöffnet, denn auch sie wollen ihren Anteil an dem zu erwartenden Geldregen, es gehen schließlich fast 2000 Menschen von Bord. Die Stadt wird regelrecht überschwemmt. Unzählige Andenkengeschäfte versuchen Souvenirs, Kunst und Kitsch an den Mann/Frau zu bringen. Das Angebot ist sich ziemlich ähnlich, nur im Preis unterscheiden sich die Artikel.
Wer mehr vom Ort sehen will als Pelzgeschäfte und Edelsteine aus Tansania, bekommt im Visitor Center an der Front Street ausführliche Informationen und eine Straßenkarte. Zu Fuß geht es am Chief Johnson Totem vorbei über die Brücke zur Creek Street. Eigentlich ist es keine Straße, denn ein hölzerner Fußweg führt entlang des kleinen Gewässers. Leicht errötend erzählt die Reiseleiterin von der Geschichte der Creek Street und den wilden Jahren. In Scharen kamen damals Holzfäller, Fischer und Glücksritter in die Stadt, um hier ihr Vergnügen zu suchen. In den 20 Bordellen betrieben die Damen ihr „Geschäft“, immer bereit, den Goldsuchern ihre Nuggets aus den Taschen zu ziehen. Die lustvolle Zeit hatte ein Ende, als die Bordelle 1954 geschlossen wurden. In der Zwischenzeit hat das alte Rotlichtviertel längst seinen ruf gebessert.
Viele der alten Häuser sind renoviert und beherbergen, was sonst -Geschäfte. An die alte Zeit erinnert nur noch das Dolly House Museum. Die Dame Dolly war die geschäftstüchtigste, und ihr plüschiges Etablissement kann gegen Eintrittsgebühr besichtigt werden.
Eine Seilbahn führt hinauf zum Fox Hotel. Unter uns liegt die Stadt mit dem Hafen. Die Aussicht lässt sich auch gut mit einem Lunch im Restaurant verbinden. Dann genießt man beides gleichzeitig, die Landschaft und das Essen.

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 Totem_Maske. Foto: Mike Dojel
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Totems – eine geschnitzte Familiensaga
Im Totem Heritage Center zeigen einheimische Tlingit-Indianer die Kunst des Totemschnitzens. Totems haben übrigens nichts mit Geisterbeschwörung oder Ähnlichem zu tun. Sie sind die geschnitzte Chronik einer Familie. An dem Totempfahl, der vor der Hütte aufgestellt war, konnten die Indianer die gesamte Sippengeschichte ablesen. Aus einem langen Baumstamm, schnitzt der „diensthabende“ Indianer Gesichter, Masken, Ornamente und Vögel. Für die Bemalung wurden früher nur Farben verwandt, die in der Natur vorkamen:Graphit für Schwarz, Kupferoxyd für Blau und Eisenoxyd für Rot. Heute greift man aber auch schon mal zum Ölfarbeimer. Im Center und auch in der ganzen Stadt verstreut, stehen die Totempfähle. Viele stammen aus verlassenen Tlingit-Dörfern. Halb verrottet wurden sie ins Center gebracht und wieder restauriert. Auch ein Zeichen, dass sich die Indianer wieder auf ihre alten Werte besinnen und ihre Kultur wiederbeleben.
Lachsfang – Lachszucht
Viele der Einwohner Alaskas leben vom Lachs. Nach dem die Horden der Goldgräber abgezogen waren, konzentrierte man sich auf den Fischfang. Das geschah so gründlich, dass die Gewässer bald überfischt waren. Die Industrie hatte sich selbst ihre Existenzgrundlage vernichtet. Heute wird der Fischfang kontrolliert, und auch der Lachsbestand erholt sich ständig. Das ist auch den Lachsfarmen zu verdanken. In Ketchikan kann eine dieser Zuchtanstalten besucht werden. In großen Becken wird das kristallklare Wasser des Flusses aufgefangen. Die jungen Lachse nehmen so den Geruch und Geschmack ihres Geburtsgewässers auf. Nach etwas 5 Jahren kehren die geschlechtsreifen Tiere hierher zurück um zu laichen. Je nach Jahreszeit, wimmelt der Fluss von Lachsen, die sich zu den Laichplätzen schlängeln.

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 Orkas in der Inside-Passage. Foto. Mike Dojel
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Mit dem Fernglas auf der Pirsch
Noch liegt Nebel über dem Wasser. Er macht das Navigieren in der Passage recht schwierig und verlangt die volle Aufmerksamkeit des Kapitäns. Denn das Wetter kann sich im Sommer schlagartig ändern, eben noch blauer Himmel, dann sintflutartige Regenfälle und Nebelbänke. Im Frühjahr und Herbst bleibt das Wetter aber stabil. Friedlich liegt die Inside-Passage vor uns. Vorbei geht die Fahrt an einem Gewirr von kleinen und kleinsten Inseln und winzigen Ortschaften. Die nahrungsreichen Gewässer locken nicht nur Fisch, sondern auch ihre Jäger an. Auf den Felsen sonnen sich Robben und putzige Otter tauchen mit einer Muschel auf, die sie mit einem Stein öffnen. Mit etwas Glück sieht man die riesige Fluke eines abtauchenden Buckelwales oder die Flosse eines Schwertwales auf der Jagd nach Robben. Auch am Ufer lassen sich Tiere beobachten. So ziehen Karibus durchs Gras, immer auf der Hut vor den hungrigen Bären. Aber die Gefahr gefressen zu werden ist nicht groß, denn die Bären schlagen sich den Magen mit den leicht zu fangenden Lachsen voll. Aber Vorsicht ist immer angebracht.

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 Blick auf den Mendenhall Lake. Foto: Mike Dojel
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Juneau – Hauptstadt mit Gletscher
Der nächste Stopp ist Juneau. Dreizehn Jahre nach dem Kauf Alaskas von den Russen, wurde die Stadt gegründet. Sie wurde rasch der Mittelpunkt des Goldrausches, nachdem Pioniere von einer Expedition in die Wildnis Gold mitgebracht hatten. Die Nachricht löste einen wahren Wettlauf auf die ergiebigsten Fundstätten aus. Heute erinnert nicht mehr viel an diese Zeit. In der Innenstadt gibt es noch einige Häuser und Saloons aus der Gründerzeit, aber moderne Häuser prägen die Skyline der Stadt. Eigentlich ist Juneau ein Städtchen mit 30.000 Einwohnern, aber als Regierungssitz des Staates Alaska, will man natürlich auch Hochhäuser haben. Imposant ist die Lage der Stadt. Sie liegt am Gatineau-Channel und die steilen Hänge des Mount Juneau und Mount Roberts sorgen dafür, dass die Stadt sich nur am Wasser entlang ausbreiten kann. Die bunten Holzhäuser ziehen sich noch einen Teil der Hänge hinauf, aber dann gibt es nur noch dichten Nadelwald und Wasserfälle. Der Stadtteil Mendenhall Valley erstreckt sich bis an das Ufer des Gletschersees. Wo heute bereits Häuser stehen, war vor einiger Zeit noch der Gletscher. Aber die Eismasse zieht sich mehr und mehr zurück, zur Zeit mit einer Geschwindigkeit von 1o m pro Jahr. Ein Hubschrauber bringt Touristen zum Icefield, dass sich hinter der ersten Bergkette erstreckt. Riesig erstreckt sich das Eisfeld unter dem Heli. Das Eis blendend weiß mit schwarzen Streifen aus abgeriebener Erde und Gesteinsbrocken, wird von tiefen Spalten durchzogen. Schon unnatürlich blau schimmert das Schmelzwasser in den Vertiefungen. Für kurze Zeit kann auf dem Gletscher gelandet werden und vor Ort gibt es Informationen über die Entstehung und Bewegung des Gletschers.
Goldrauschzeit unter Denkmalschutz
Weiter im Norden liegt das Städtchen Skagway. Der Ort wirkt wie ein einziges Museum aus der Zeit des Goldrausches. Damit es auch so bleibt, wurde fast der ganze Ort unter Denkmalsschutz gestellt. Aber die Atmosphäre ist nicht nachgestellt, die vielen Häuser und Holzbürgersteige stammen noch tatsächlich aus den Jahren 1897 - 1899, als die Stadt vor Menschen nur so wimmelte. Schließlich war Skagway damals die größte Stadt Alaskas. Die Stadt war Ausgangspunkt für den mörderischen Marsch zum Klondike. Tausende schleppten sich schwerbepackt über den Chilkoot Pass, beherrscht von dem einzigen Gedanken – Gold. Noch heute kann man mit Zelt und Rucksack den Chilkoot Trail erwandern. Wer es bequemer liebt, benutzt die White Pass & Yukon Railway. Mit dem Bau dieser Eisenbahnlinie wurde der Boom beendet, denn sie machte dem fürchterlichen Marsch über Chilkoot ein Ende. Jetzt befördert die Bahn Touristen zum White Pass. In einer zweistündigen Fahrt gelangt man zum Pass, und nach einer Pause fährt der Zug zurück nach Skagway. Durch die großen Fenster des Panoramawagens genießt man die Wildnis und etwas Glück sieht man auch hier Schwarzbären und Grizzlybären. Früher ging die Bahn durch die Stadt bis zum Hafen. Über 70 Saloons säumten die Strecke. Einer der berühmtesten Saloons aus der Zeit, der Red Onion Saloon, zieht Besucher magnetisch an den Tresen. Hier erlebt man die Goldgräberzeit bei Bier und Whiskey, serviert von Kellnerinnen in Originalkostümen. Tiefdekolletiert bringen sie die Getränke, und ach wie verrucht, darf das Trinkgeld in den Ausschnitt gesteckt werden. Es gibt geführte Rundgänge und Fußmüde werden in Oldtimer-Bussen durch den 800-Seelen-Ort kutschiert.

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 Eisberge in der Glacier-Bay. Foto: Mike Dojel
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Kalbende Gletscher
Jetzt ist es nicht mehr weit zur Glacier Bay. Die Fahrt geht vorbei an einer grandiosen Fjordlandschaft. Steil und hoch ragen die Felswände aus dem Meer. Die weiterentfernten Berge haben schon wieder einen Hauch von Schnee, die Blätter der Bäume färben sich langsam rot und gelb, Vorboten des nahenden Winters. Fast greifbar ist die Stille in der Bucht. Kleine Eisberge treiben am Schiff vorbei, als es sich dem Gletscher nähert. An Deck wartet alles auf das Kalben des Gletschers. Durch die Vibration der Schiffe brechen immer wieder große Eisbrocken ab und stürzen mit Getöse ins Meer. Das Ganze begleitet vom Surren der Kameras, Klicken der Fotoapparate und dem typischen „Wow!“ der Passagiere.

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 Viktoria Hafen. Foto: Mike Dojel
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Victoria - Very British
Den Abschluss der Reise bildet der Stopp in Victoria auf Vancouver Island. Die urbritische Atmosphäre macht die Stadt zu einem beliebten Ausflugsziel und lockt jährlich 2 Mio. Besucher an. Ein Superschiff wie die Infinity passt natürlich nicht in den kleinen Inner Harbour, aber von der Pier lässt sich die Innenstadt bequem in 20 Minuten zu Fuß erreichen. Obwohl in Kanada, bekommt man schnell das Gefühl in einer englischen Kleinstadt zu sein. Alles ist „very British“, wird doch alles getan, um die typische Architektur zur erhalten und Traditionen zu pflegen. Berühmt ist die Stadt für ihre große Zahl an Parks und Gärten, verteilen sich doch 60 Anlagen über die Stadt. Die gemütliche Stadt ist eigentlich der richtige Abschluss nach der Kreuzfahrt mit Schnupperkurs in Sachen Wildnis, Abenteuer und unberührter Natur.
Quelle: pairola-media (Mike Dojel)