Im Schritttempo nähern wir uns der Kanaleinfahrt. Leise schlagen die Wellen an die Bordwand, als das Lotsenboot längsseits kommt. Die beiden Lotsen übernehmen jetzt für die Dauer der Kanalpassage das Kommando über das Schiff. Eine Fata Morgana, wie auf Wolken schwebend, liegt ein Schiff hoch über den Dächern von Colon. Es wird gerade zum Gatunsee hochgeschleust.
Ein riesiger Neonpfeil zeigt uns an, in welche Schleusenkammer wir fahren müssen. Mit eigener Kraft manövriert sich das Schiff dorthinein.

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 Fotos (4): Mike Dojel
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Dicke Trossen verbinden es mit den Mulis. Die Mulis, das sind die kleinen Lokomotiven, die links und rechts der Schleusenkammer fahren. Sie ziehen das Schiff nicht in die Schleuse, sondern sorgen dafür, das es immer schön in der Mitte bleibt. Häufig sind die Schiffe so groß, dass auf beiden Seiten nur noch wenige Zentimeter Spielraum bleibt. Die Mulis sorgen dafür, dass weder das Schiff noch die Schleusen beschädigt werden.
An Deck ist kein Platz mehr frei. Jeder will dabei sein, wenn sich die riesigen Tore öffnen und das Schiff in 3 Etappen auf 26 Meter Höhe über Normalnull geschleust wird. Unmerklich schießen zigtausend Liter Wasser in die Kammer. Im Zeitlupentempo steigt das Schiff höher. Jetzt sind wir es, die hoch über Colon zu schweben scheinen.

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Von den Lotsen wird äußerste Konzentration verlangt. Die Schiffe sind für das offene Meer gebaut und verhalten sich im schmalen Kanal anders als kleine Schiffe. Etwa acht Stunden dauert die Fahrt durch den Kanal – hoffentlich ohne Dellen. Aber seit der Eröffnung des Kanals ist es noch nie zu einem Unfall gekommen. Damit es so bleibt, durchlaufen die Lotsen eine 8-jährige Ausbildung, und werden ständig mit Computersimulationen weitergeschult.
Das letzte Schleusentor hat sich geöffnet, und vor uns liegt der Gatunsee. Wie Perlen auf der Schnur ziehen die Schiffe durch die mit Bojen markierte Fahrrinne. Das Ufer ist mit dichtem Dschungel bewachsen. Grün in allen Schattierungen ist die Farbe, die hier den Ton angibt. Aber zwischen all dem Grün sieht man immer wieder blühende Bäume. Sie sind ansonsten vollkommen kahl, so kommen die weithin leuchtenden roten und gelben Blüten besonders zur Geltung. Als der Gatunsee geflutet wurde, retteten sich die Tiere auf die sich bildenden Inseln. Heute kann man Touren in diese geschützten Reservate unternehmen. Mit etwas Glück begegnet man Nasenbären, Ameisenbären und dem Ozelot. Nicht zu überhören sind die Brüllaffen, die am Morgen die Sonne begrüßen. Weniger heimlich ist das Leben der vielen Vogelarten. Immer wieder überfliegen Schwärme von Papageien das Schiff. Am nahen Ufer stehen Reiher im seichten Uferwasser und warten auf Beute. Auf einer Boje sitzt ein Tukan, dessen breiter Schnabel aussieht, als hätte er ihn in verschiedene Farbeimer getaucht.

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Ganz nah rücken die Felsen des Gaillard Cut ans Schiff. Viel Platz bleibt hier wirklich nicht. Das ist auch die Stelle, die beim Bau die meisten Schwierigkeiten machte, da immer wieder Felsen und Schiefer nachrutschten. Hier fällt auch auf, dass der Kanal die kontinentale Wasserscheide wie ein Graben durchtrennt.
In der Schleuse von Pedro Miguel liegt in der Nachbarkammer ein Autotransporter. Vom Wasser in der Schleuse ist nichts mehr zu sehen. Noch ein paar Zentimeter breiter, und er könnte nicht mehr die Schleuse durchfahren. Im Miraflores See baggern zur Zeit noch Schaufelbagger die Fahrrinne aus. Es ist geplant den Kanal zu verbreitern, damit auch größere Schiffe an Schmalstellen, ohne zusätzlichen Halt, einander passieren können.
Auf beiden Seiten des Kanals sieht man die von den Amerikanern an Panama zurückgegebenen Gebäude. Diese früheren Militäreinrichtungen und Wohnsiedlungen wandelt der Staat Panama in Hotels und Freizeiteinrichtungen um.
In der Miraflores-Schleuse geht es die letzten Meter hinunter, auf Pazifik-Niveau. Waren die Schleusentore schon groß, hier sind sie riesig. Wegen des starken Unterschieds zwischen Ebbe und Flut an der Pazifikseite, sind es die größten Tore der gesamten Kanalanlage.
In der Ferne sieht man bereits den Bogen der Puente de las Americas, die das Ende dieser äußerst interessanten Kanalfahrt ankündigt.
Quelle: pairola-media (Mike Dojel)