Es wird Abend in der Karibik: Sonnenuntergang vom Feinsten für die Passagiere der Royal Clipper und harte Arbeit für die Crew. Auf Deck: Klaus Müller ... und sein Dudelsack. Klaus Müller ist 67 und damit eigentlich im besten Rentenalter, doch von Ruhestand keine Spur. Wenn ihn zwei Mal im Jahr die See ruft, dann muss er raus. Raus aus den engen Wänden seiner Wohnung und die Seeluft spüren, die Wellen, den Wind. Denn Klaus Müller ist Kapitän. Nein, nicht auf einem kleinen Privatsegler, sondern auf dem größten Segelschiff der Welt.
Fertiggestellt im Jahr 2000, ist die "Royal Clipper" ein Meisterwerk. Ein Segelschiff der Superlative, der einzige Fünfmast-Rahsegler, den es zur Zeit auf den Sieben Meeren zu bewundern gibt. Er ist gebaut nach der Vorlage der im Jahre 1910 vor Dover gesunkenen "Preussen". Die Legende lebt.
Klaus Müller gebietet über gigantische 5200 Quadratmeter Segelfläche. Ein atemberaubender Anblick, wenn sich die Segel in voller Größe und Schönheit im Wind blähen. Leinen los und 5000 Bruttoregistertonnen, verteilt auf 133 Meter Länge und 16 Meter Breite, setzen sich in Bewegung, quer durch die Karibik. Über 100 Männer und Frauen haben alle Hände voll zu tun, um den Giganten durch die raue See zu bringen. Dazu kommen 200 Passagiere, in der Mehrzahl aus Deutschland, aber auch Amerikaner und Italiener sind dabei. Kein preiswertes Vergnügen. Viele haben lange gespart. um sich ihren Lebenstraum zu erfüllen. Heidi Tschäpe ist Rentnerin. Ganze 65 Wochen, mit kurzen Unterbrechungen, ist sie nun schon auf See."Da ist meine Rente dann weg", meint Heidi", doch das Schiff ist meine neue Heimat geworden!" Sie ist sicher: "Heimweh habe ich nicht nach Deutschland, sondern immer nur nach meinem Clipper!" Ein Großteil der Passagiere sind Rentner, doch auch junge Pärchen sind an Bord - wegen der Romantik.
Sie alle werden umsorgt von einer internationalen Crew aus 25 Nationen. Darunter viele junge Männer von den Philippinen. Die christlichen, asiatischen Arbeiter sind preiswert und gut!" verrät Kapitän Müller, "ohne solche Leute wäre die Seefahrt heute kaum noch möglich." Niedriglöhne für die Angestellten und Luxuspreise für die Passagiere, so funktioniert es auch auf der Royal Clipper.
Wenn er nicht auf See ist, führt der Kapitän im schottischen Inverary ein ländliches Leben. Er ist Prediger, arbeitet als Schafhirte und besucht die örtliche Dudelsackschule. Und so weht dann ein gedudeltes "Freude schöner Götterfunken" über das Deck, wenn es Abend wird in der Karibik.
ZDF-Autor Andreas Ewels hat die Royal Clipper zwei Wochen durch die Karibik begleitet. Trauminseln wie Grenada, St. Vincent, Barbados, Martinique, Domenica und St. Lucia standen auf dem Routenplan. Den Autor interessierte dabei besonders das Leben an Bord. Was macht der Kapitän, wenn es mit der Crew nicht klappt? Wie wird ein solchen Schiff gesteuert? Wer hat die wahre Macht an Bord? Wie können sich die Passagiere einen solchen Luxus leisten? Und: Warum der Dudelsack?
Ausstrahlung der Sendung im ZDF: Sonntag, den 01.02.2004; 18.30 - 18.58 Uhr. [Quelle: ZDF]