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Autor: Betreff: MSC Lirica Ostern 05 Karibik

Juniorposter





Beiträge: 2
Registriert: 7/7/2005
Status: Offline

  erstellt am: 13/7/2005 um 11:36
Buchungsnummer : 2 DUQFD
Kreuzfahrt : Westl./Südl. Karibikinselwelt
Leistungsträger : MSC Kreuzfahrten GmbH
Reisetermin : 20.03. – 31.03.2005
Beförderung : Flug ab/bis Frankfurt
Unterkunft : MSC Lirica
Leistung : Außenkabine, Paganini Deck (8)
Zusatzleistung : Vollpension


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin Fachanwalt für Reiserecht und freier Mitarbeiter einer größeren Reederei in Hamburg.

Nachdem meine Frau und ich schon mehrere Kreuzfahrten unternommen haben, wählten wir die o.g. Kreuzfahrt zu unserem 20. Hochzeitstag über Ostern 2005 aus, durchaus neugierig, ob die MSC Crociere unsere Erwartungen zu erfüllen in der Lage sein wird.
Selbstverständlich fuhren wir in cognito und gehören keinesfalls zu den Personen, die den Fotoapparat ausschließlich zum Festhalten von Beweismaterial benutzen, um später Mängelgewährleistungsansprüche durchsetzen zu wollen.

Gleichwohl sind unsere Erwartungen leider nicht immer erfüllt worden.

Mit der nachstehenden Reiseschilderung soll durchaus auch positive Kritik geübt werden; damit Theorie und Praxis einerseits sowie Service und Wünsche andererseits zum vollen Erfolg nahtlos ineinander übergehen bzw. „verschmelzen“.

Nach einem problemlosen 10-stündigen Non-Stop-Flug mit der Lufthansa von Frankfurt nach Miami begann unser „Amerikaabenteuer“ gleich mit einem erheblichen „Dämpfer“, denn erst nach weiteren 2 ½ Stunden (!) „Schlangestehen“ erwartete uns ein genervter, farbiger Zollbeamte, der uns seine „Gottähnlichkeit“ dadurch spüren ließ und er uns als Deutsche insoweit demütigte, als wir zu blöd zum Ausfüllen der grünen Zolleinreisekarte waren. Obwohl wir wegen Verneinung einiger Fragen bestimmte Passagen nicht auszufüllen brauchten, bestand er dennoch fälschlich darauf und schickte uns zum „richtigen“ Ausfüllen wieder nach hinten. Berechtigte Einwände ignorierte er mit einer Wegwerfgeste und hatte sichtliche Freude daran, unsere Fingerabdrücke abzunehmen, so wie uns digital zu foto-grafieren. Damit sind wir erkennungsdienstlich behandelt worden – Menschenrechte in
USA ?

Unsere 3 Koffer sind heil geblieben, denn zum Glück wussten wir, dass Gepäckstücke, die verschlossen wurden, von den Zöllnern bei dem geringsten Verdacht brutal aufgebrochen werden.

Nach knapp 15 Stunden Reisedauer empfingen uns dann zwei ältere Damen von der MSC-Reiseleitung : Spezialgebiet „Transfer“, die uns wiederum eine ¾ Stunde warten ließen, denn man musste uns zu einer genügend großen Anzahl sammeln, da der Bus in Miami
nicht warten durfte, sondern nur zum sofortigen Be- und Entladen anhalten durfte. Hier ließe sich bestimmt eine bequemere Lösung finden.

Nach einer weiteren ¾ Stunde Busfahrt erblickten wir dann zum ersten Mal den Pier 4 von Port Everglade mit unserem Traumschiff, der Lirica, die majestätisch zwischen Tankern „hervorstach“.

Nach abermaligem Durchsuchen und Durchleuchten waren die Einscheckformalitäten zügig beendet und wir schwebten über die Gangway in den Schiffsbauch, wo wir von nett anzusehenden, aufgereiht stehenden Zimmermädchen empfangen wurden, wovon uns dann eine den Weg zu unserer Kabine (Nr. 8234) durch /über das Schiff führend begleitete.

Noch waren wir trotz rückliegender Strapazen von der Eleganz und Großzügigkeit der Schiffsräumlichkeiten schwerst positiv beeindruckt, als uns ein weiterer, gewaltiger Däm-pfer aus der Traumwelt in die Realität zurückholte, nämlich nachdem das Zimmermädchen unsere Kabinentür geöffnet hatte; zu Dritt stehend war unsere Kabine restlos „voll“, wir drängten uns im engen Kabinengang vor dem Doppelbett !

Auch wenn ich keinen Zollstock dabei hatte, besaß die Kabine mit absoluter Sicherheit nicht das Garde-Standard-Außen-Maß von 16 qm ! Dies ist ein Punkt, den wir erheblich zu kritisieren haben : die Kabinengröße ! Bei der Konzeption von Kreuzfahrtschiffen werden durchaus etliche Begebenheiten von wirtschaftlich Erwägungen bestimmt, aber warum ein Gast, der mindestens 12 Tage zu ca. 8 Stunden (6 Stunden Schlaf; 2 Stunden Hygiene und Umkleiden) sich in der Kabine notweniger Weise aufhält, sich wie Ölsardinen in der Büchse vorkommen muss – zu Hause hätte er es vermutlich bequemer (!) - ist kaum verständlich.

Dass die Flugzeuge aus Kommerz bis zum letzten Eck äußerst eng bestuhlt werden, ist für Passagiere insbesondere bei Langstreckenflügen äußerst unbequem, ja sogar gesundheitlich bedenklich, dass aber die Kabinengrößen aus gleichen Erwägungen heraus auch immer kleiner werden müssen, ist eine Tendenz, die es zu stoppen und zu ändern gilt.

Da über meinem Bett noch ein ausklappbares Hochbett an der Wand untergebracht war, konnte ich nur seitlich mein Bett erreichen, in dem ich mich unter Herausstrecken des Hinterns weit den Oberkörper nach vorne beugte, dann den Kopf anhob und mit den Knien am Bett entlangtippelte. Diese Prozedur wiederholte sich natürlich nicht nur auch nachts (Benutzung der Toilette) sondern auch bei mehr oder weniger schwerem Seegang !

Als absoluten Mangel empfanden wir die Dusche / WC. Beim Säubern des Popos schlug ich jedes Mal gegen die ca. 30 cm vorstehende Plexiglaswandecke (danach Vorhang !), die seitlich des Toilettenbeckens endete. In der Dusche selbst habe ich nur schräg stehen können, wobei ich regelmäßig mehr den Duschvorhand mit Duschmittel einschäumte, als den eigenen Rücken bzw. Bauch !

Da zudem der Kleiderschrank bereits nach dem Leeren nur eines Koffers gestopft voll war, gab es keine Möglichkeit, getragene oder feuchte Bekleidungsstücke in der Kabine aufzuhängen. Zum Glück passten zwei Koffer unter die Betten, der dritte stand quer davor und engte weiteren „Freiraum“ ein. Am besten gelangen die „Kabinenvorhaben“, wenn eine Person sich auf das Bett setzte und somit aus dem Weg war !
Unser Kabinenmädchen mit Namen Olivia (nebst Kollegen) war eine Perle, ihre Dienstleistungen müssen uneingeschränkt mit sehr gut bewertet werden; gleiches gilt auch für den für unseren Tisch 235 zuständigen Oberkellner Luciano aus Palermo nebst Team u.a. Cepi im Restaurant.

Der italienische Maitre d’hotel „glänzte“ durch Arroganz und schikanösem Verhalten insbesondere gegenüber asiatischen Kellnern; um seine Nase wieder in „Normalhöhe“ zu halten, stünde ihm ein Wechsel vom Chef zum Untergebenen mal wieder nicht schlecht.

Um noch bei dem Personal zu bleiben, verdienen Mr. Scott aus Jamaika und Valentina aus Bulgarien in der Bar L’Atmosphere höchste Anerkennung und Lob; beiden sollten „höhere“ Aufgaben zukommen; dies gilt auch uneingeschränkt für Aida aus Rumänien, die für die Getränke im Restaurant zuständig war.

Was die Räumlichkeiten an Bord, insbesondere aber das Restaurant L’ippocampo, anbelangt, so waren alle für europäische Verhältnisse viel zu kalt durch die Klimaanlage eingestellt. Bei ein par Grade höherer Temperatur würden vielleicht auch die ca. 1500 Amerikaner ihre Kappen abnehmen und die Wintersteppanoraks im Schrank lassen. Im „Kühlschrankrestaurant“ haben wir (Europäer) regelrecht gefroren ! Das muss nicht sein, denn unser $ ist genauso viel Wert, wie der der Ami’s.

Die Qualität der Getränke war höchstens als mittelmäßig einzustufen; bei den Fruchtsäften schmeckte man deutlich heraus, dass diese nicht frisch ausgepresst worden waren, sondern aus billigsten Großplastikbehältnissen herstammten; gleiches gilt auch für die Qualität der Speisen, die durchaus besser hätte sein können, jedenfalls einer 4-Sternen-Küche nicht entsprachen. Auch hier hätte etwas mehr Wärme der Tiefkühlkost auch zu mehr Geschmack verholfen.

Die Menüauswahl hätte auch größer sein dürfen.

Insgesamt haben wir deutlich gemerkt, dass an Speisen und Getränken seitens der Reederei tüchtig gespart worden ist. Das Mitternachtsbuffet glänzte durch sein Volumen, es fehlten jedwede Gourmethappen !

Dies ist deshalb nicht verwunderlich, da das Schiff ca. $ 140.000,00 für die Panama-Kanal-Passage hat bezahlen müssen; irgendwo muss der Rotstift zum Sparen ja angesetzt werden.

Manche der jungen Damen von der Rezeption fehlte die erforderlich Routine und damit dann auch Klasse, Souveränität und Freundlichkeit; schließlich konnten wir auch nichts dafür, dass unsere Schiffsmagnetkarte 10 Tage lang nicht ordnungsgemäß arbeitet und wir täglich vor unöffenbarer Kabinentür standen, so dass die Reception uns ständig mit neuen Codes und neuen Cards weiterzuhelfen versuchte.

Die Ein- und Ausschiffungen erfolgten in ebenso zügiger, wie professioneller Weise.

Die Sauberkeit an Bord, insbesondere was die vielen Chrom- und Spiegelflächen anbelangte, war sehr gut.

Die Reiseroute war der Magnet für uns bezüglich dieser Kreuzfahrt. Die mit den Reiseunterlagen zugeschickten Ausflüge (erst knapp 1 Woche vor Reisebeginn (!)) waren anders als diejenigen Ausflüge, die uns an Bord überreicht wurden und auch teurer; damit war unsere Hausarbeit bezüglich der Ausflüge und deren Kosten vergebens.

Insgesamt stimmte das Preis-Leistungs-Verhältnis hinsichtlich der Ausflugsprogramme nicht. Abgesehen davon, dass alle Ausflüge in Mexico wegen rauer See ausfallen mussten, war die Busfahrt von Puerto Limon (Costa Rica) zu einem Nationalpark ebenso viel zu teuer, wie die Fahrt in Panama mit einem Bus für 1 ½ Stunden durch eine von den Ami’s verlassene Geisterstadt ! Der Ordnung halber ist noch anzufügen, dass auch der Ausflug „Portobello“ am Abend vorher telefonisch gekänzelt wurde und man auf Jamaica unmöglich in einer ¾ Stunde Freizeit den von tausenden Urlaubern bestiegenen Wasserfall von Dunn’s River zu erklimmen zu erklimmen in der Lage gewesen wäre.

Absolut nervend war die zu laute Musik und das Geschreie der Animateure, durch Verstärker auf dem ganzen Deck 11 hörbar. Kein Wunder, das der Geheimtipp vom ruhigen sonnen auf dem Heck des Schiffes bald keiner mehr war.

Für uns Europäer war es doch ziemlich ätzend, dass die überwiegende Zahl der Ami’s auch zu den 3 Galas mit kurzen Hosen, Hemden mit halben Ärmeln und teilweise mit Schildkappen erschienen. Zum Glück auch wurde das Begehren nach „koscherem“ Essen zur Gala italienisch-vehement zurückgewiesen.

Warum wir, die wir schon im Oktober 2004 gebucht hatten, auf unserem Rückflug von Miami nach Frankfurt in Washington DC / Dullas zwischenlanden und umsteigen mussten, konnte uns keiner erklären.

Wir hatten zusammenfassend eine hochinteressante Kreuzfahrt auf einem wunderschönen Schiff, auf der wir am meisten von den natürlichen Kuna-Indianern auf den San-Blas-Inseln beeindruckt waren.

Hiermit möchte ich mir meinen Bericht – nicht zuletzt auch aus Zeitmangel – beenden.

Ich bin auf die Reaktion Ihres Hauses auf meine Ausführungen gespannt und erwarte durchaus ein ebenso freundliches, wie großzügiges Entgegenkommen der MSC für „erlebte Widrigkeiten“, was ich in Ihr freies Ermessen stellen möchte.

Als Antwort auf diesen Brief kam von der Reederei aus München ein nichtssagendes Schreiben, worin man mir mehr oder weniger die Schuld gab, nicht selbst für die Mängelbeseitigungen gesorgt zu haben. Eine Art „Entschädigung“ lehnte die Reederei kategorisch ab.

 
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  erstellt am: 13/8/2005 um 16:52
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